I’ve 最高!

Kurz nachdem ich in Japan angekommen war, erfuhr ich, dass im Januar 2009 ein Konzert stattfinden sollte, welches viele meiner liebsten Sängerinnen auf einer Bühne zusammenführen sollte. Der Titel des Konzerts: „I’ve in Budokan 2009 ~Departed to the Future~“.

Zuvor bestand die Herausforderung darin, Karten für dieses Ereignis zu erlangen, da diese nicht direkt zu kaufen sondern nur durch ein Gewinnspiel zu haben waren. Meine Freundin und ich hatten Glück, letztendlich zwei Karten – und wie wir später merkten sogar recht gute Plätze – zu erlangen.

Die Zeit verging schnell und schon stand der 2. Januar vor der Tür. Wir begaben uns Richtung Tokyo, wo das Nippon Budokan zu finden ist. Auf dem Weg stießen wir bereits zufällig auf eine der beiden Freundinnen, mit denen wir uns sowieso treffen wollten. Die andere wartete bereits am Zielort auf uns. Wir gingen dann gemeinsam in ein Restaurant, um vor dem Konzert noch einen Happen zu uns zu nehmen. Die beiden Freundinnen stellten sich als Otakus heraus und so fanden sich schnell viele gemeinsame Interessen. Von einer dieser erhielten wir auch ein wichtiges Utensil für Konzerte dieser Art: Leuchstäbe.

Hiernach gingen wir dann auch auf direktem Wege zur Konzerthalle, wo sich bereits ein riesiger Menschenauflauf eingefunden hatte. Und auch nur wenige Augenblicke später begann bereits der Einlass. Recht schnell machte sich die sehr gute aber auch sehr strikte Organisation bemerkbar. So war im Inneren für jeden, der eine Konzertkarte sein Eigen nennen konnte, ein Sitzplatz reserviert. Das gab es bei keinem der Konzerte, dem ich bisher beigewohnt hatte. Das zur positiven Seite; die negative Seite war jedoch, dass Fotoaufnahmen jeglicher Art im Inneren der Konzerthalle strengstens verboten waren. Gegenläufige Versuche wurden jederzeit schnellstens unterbunden. Gerade für mich war dies ein ziemlich schwer zu schluckender Fakt. Davon wollte ich mir aber nicht die Freude am Konzert verderben lassen.

Um Schlag 16:00 fing das Konzert an und ging mit Kawada Mami und dem großartigen PSI-missing gleich in die Vollen. Bekleidet war sie mit einem sehr ansprechenden und zu ihr gut passenden schwarzen Lederkleid, was für mich eines der besten Outfits des Abends war. Vom Start weg war das Publikum voll dabei und wirkte an diesem energiegeladenen Spektakel mit. Und der Anblick der unzähligen Leuchtstäbe, welche zum Rhythmus tanzten, war überwältigend.

Die äußerst mächtigen E-Gitarren kamen Kawada Mamis Stücken sehr zu gute und gaben ihnen noch einen Funken mehr Energie. So sang sie neben einigen anderen Stücken dann etwas später auch das von mir sehnsüchtig erwartete JOINT und zum Abschluss ihres Teils noch Get my way. Ein wahrhaft furioser Start in einen Abend, der gehaltvoller nicht sein konnte.

Als nächstes stand der Auftritt von Shimamiya Eiko auf dem Plan. Ihr Outfit erinnerte ein wenig an Tinkerbell, wie sie selbst anmerkte. Ihr Auftritt gestaltete sich zunächst jedoch recht kurz und beschränkte sich auf ULYSSES von der gleichnamigen EP sowie zwei weiteren Stücken. Jedoch trat sie hiernach gleich wieder mit ihrer Kollegin Kawada Mami in Form von Healing Leaf auf die Bühne und trug noch zwei weitere Stücke vor. Zum Schluss übernahm sie noch die Introduktion der nächsten Künstlerin, die hier zum allerersten Mal singen sollte.

IKU, so der Name, war mir bisher nur vom ED von To Aru Majutsu no Index bekannt. Erst in diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass auch IKU mehr oder weniger etwas mit I’ve Sound zu tun hat. Und besagtes ED war auch eines der beiden Stücke, dass sie an diesem Abend vortrug. Bekleidet war sie mit einem weißen federartigen Kleid, welches einen sanften Eindruck vermittelte.

Quasi als Umrahmung trat danach noch einmal Shimamiya Eiko auf die Bühne und sang noch zwei weitere Stücke, so dass ihr Beitrag zum Abend dann doch noch in akzeptabler Länge ausfiel. Meine Freundin bedauerte jedoch, dass Naraku no Hana keines der vorgetragenen Stücke dieses Abends war. Ich persönlich hätte auch gerne das erste OP von Higurashi no Naku Koro ni gehört.

Jedenfalls betrat hieraufhin Utatsuki Kaori im pinkfarbenen Marienkäfer-Outfit die Bühne. Bekannt war sie mir eigentlich nur von Shining Stars Bless☆, dem OP von Nanatsuiro Drops und genau dieses war auch das erste von ihr vorgetragene Stück. Einige weitere Stücke folgten, bevor auch sie die Bühne verließ. Ungewiss war nun, wer noch folgen sollte, da noch zwei große Namen fehlten.

Als die Projektion im Hintergrund nun schemenhafte Bilder zeigte und für kurze Augenblicke ein vertrautes Gesicht zu sehen war, war die Aufregung im Publikum groß. Bestätigt wurde sie, als schließlich auch der erwartete Name eingeblendet wurde: KOTOKO! Entgegen den Erwartungen sollte sie also nicht der große Höhepunkt zum Schluss sein.

Sie betrat die Bühne in einem Kleid, welches sie vermutlich wie üblich selbst entworfen hatte. Es war zur einen Hälfte dunkel und mit langem Ärmel gehalten und zur anderen Hälfte sehr bunt mit Blumen und Federn verziert. Das erste Stück war das von mir erhoffte aber eigentlich nicht erwartete Real Onigokko. Ihre wunderschöne und zugleich gewaltige Stimme war überwältigend. Dies wurde nur umso mehr in weiteren Stücken wie , Close to me und Hayate no Gotoku bestätigt. Daneben erhielt KOTOKO bei dem Stück Kirei na Senritsu ungewöhnliche musikalische Unterstützung in Form von Ex-Megadeth-Gitarrist Marty Friedman, welcher trotz amerikanischer Abstammung erstaunlich gut Japanisch beherrschte. Eines der letzten Stücke war Re-Sublimity und bei diesem Stück war es dann auch um mich geschehen und ich holte eilig den letzten aber auch leuchtstärksten Leuchtstab hervor. Diesen sollte ein jeder von uns bei seinem Lieblingslied einsetzen. Re-Sublimity und Agony waren dereinst die allerersten Lieder, welche ich von KOTOKO gehört hatte. Sie bildeten die musikalische Umrahmung zu Kannazuki no Miko und ich war sofort hin und weg von diesem Musikstil. Einige Jahre und Albumkäufe später bin ich noch immer ein überzeugter Fan ihrer musikalischen Fähigkeiten. Deswegen war ich auch umso glücklicher als ich von diesem Konzert erfuhr und damit sicher war, dass KOTOKO auch dabei sein würde.

Jedenfalls endete auch KOTOKOs Auftritt sehr bald und sie überließ die Bühne C.G mix. Bei diesem Sänger handelt es sich um einen der Hauptkomponisten von I’ve Sound, ich hatte jedoch bisher noch nichts von ihm gehört. Auch war mir neu, dass es bei I’ve Sound auch Männer als Künstler gibt. Beim vorrangig männlichen Publikum konnte C.G mix offenbar auch eher weniger Begeisterungsstürme auslösen, da die ansonsten sehr laute Fraktion vor uns hier recht still war. Das sollte sich jedoch bald wieder ändern.

Denn hiernach betrat KOTOKO erneut die Bühne, jedoch nicht allein. Zusammen mit Utatsuki Kaori als Kombo „Short Circuit“ trug sie weitere Stücke vor. Für diese Performance hatten beide jedoch ihre Outfits zu einem aufeinander abgestimmten Partner-Look im Lolita-Flair gewechselt. Auch hier konnten beide Künstlerinnen vollends überzeugen.

Nun also fehlte nur noch eine im Bunde der fünf. Und diese gab sich dann auch sogleich die Ehre: MELL. Oder Mell-sama wie sie lauthals von nebenan begrüßt wurde. Sie betrat die Bühne in einem für sie eher untypischen weißen Ballkleid, was ihr jedoch sehr gut stand. Begleitet wurde sie von einer etwas merkwürdig wirkenden weißen Gestalt, welche kurz darauf auch einen nicht minder merkwürdigen Tanzstil offenbaren sollte. Unbeirrt davon konnten wir MELLs Glanzparade bei Stücken wie KILL (Titelthema des gleichnamigen Filmes), repeat (unterstützt von Eric Mouquet von Deep Forest) und Red fraction beiwohnen. Letzteres war das letzte der Stücke, die ich unbedingt an diesem Abend hören wollte.

Und als ob der Abend bis jetzt noch nicht ausreichend gefüllt gewesen wäre, wurde nun noch einer draufgesetzt. Denn nun wurden die Instrumente auf der Bühne mit Folie abgedeckt und ein merkwürdiges aber doch sehr vertrautes Ungetüm aus Rohren auf die Bühne geschoben. Es gibt auf der Welt nur eine einzige Kombo, die solch ein „Instrument“ spielen kann und die Aufregung war umso größer, als die Projektion auf der Bühne die Vermutung bestätigte: die Blue Man Group sollte hier und heute an diesem Abend auftreten.

In ihrem typisch sonderbar aber einfangendem Stil bewegten sie die Massen zu einer gemeinsamen Performance, indem einzelne „Rock Concert Movements“ einblendeten. Das Publikum beteiligte sich hier ausnahmslos und die drei blauen Mannen wirkten ein wenig überwältigt, obgleich dies angesichts ihrer ausdruckslosen Gesichter nur schwerlich auszumachen ist. Nach einiger Zeit stießen dann auch die fünf großen Künstlerinnen des Abends als Love Planet Five dazu. Zusammen mit der eigentümlichen musikalischen Untermalung der Blue Man Group trugen die Künstlerinnen die beiden Stücke HYDIAN WAY und See You vor. Dies sollten dann auch die letzten beiden Stücke dieses Abends sein.

Sollten. Natürlich lässt es sich kein Publikum der Welt nehmen, nach einer Zugabe zu rufen. Im Japanischen ist dies 「アンコール」 und es bedurfte ganzer 5 Minuten Zurufe, bevor sich auf der Bühne etwas tat. Doch bevor auch nur irgendwer auf die Bühne trat wurden einige Informationen auf die Leinwand projiziert. Neben der obligatorischen Information zur Live-CD gab es hier aber auch erstes Bildmaterial zum Jubiläums-Film zum 10-jährigen Bestehen von I’ve Sound zu sehen. Der Inhalt des Filmes ist eine fiktive Geschichte rund um die fünf Hauptkünstlerinnen und ihrer gemeinsamer Erlebnisse in jungen Jahren. Die Rolle jeder der Künstlerinnen wird hierbei von einer Schauspielerin übernommen. Amüsanterweise spielen die Künstlerinnen selbst aber auch in diesem Film als Lehrerin, TV-Moderatorin und dergleichen mit. Als Erscheinungstermin gab es zu diesem Zeitpunkt leider nur ein „Coming soon“.

Im gemeinsamen Love-Planet-Five-Outfit traten die fünf Künstlerinnen nun erneut vor das Publikum und sangen die wirklich letzten Stücke des Abends, Tenjou wo Kakeru Monotachi und Fair Heaven. Zu diesem Zeitpunkt sah man verstärkt die starken Leuchstäbe im Publikum, welche sich die meisten offenbar für das letzte Stück aufgehoben hatten. Bereits während des letzten Stücks waren einige der Künstlerinnen bereits so sehr ergriffen, dass sie nur noch unter Tränen singen konnten. Nachdem das letzte Stück vorbei war, traten auch die Produzenten und Komponisten von I’ve Sound auf die Bühne und äußerten einige Worte zum 10-jährigen Jubiläum von I’ve Sound. Auch in diesen ergreifenden Augenblicken flossen wieder viele Tränen und das Publikum fühlte mit den Künstlerinnen.

Nun ging der Abend langsam aber sicher seinem Ende entgegen und die Künstler verließen unter reißendem Applaus und lauthalsen Zurufen die Bühne. Nach exakt 5 Stunden (!) fand dieser energiegeladene und großartige Abend nun also seinen Abschluss. Dem Zuruf „I’ve 最高“ kann ich mich hierbei nur anschließen; dieser Abend war wirklich das Beste überhaupt.

Die komplette Übersicht aller an diesem Abend gesungenen Stücke:

  1. PSI-missing / 川田まみ
  2. radiance / 川田まみ
  3. 風と君を抱いて / 川田まみ
  4. RIDE -The Front Line Covers ver.- / 川田まみ
  5. JOINT / 川田まみ
  6. 緋色の空 / 川田まみ
  7. Get my way! / 川田まみ
  8. ULYSSES / 島みやえい子
  9. DROWNING -The Front Line Covers ver.- / 島みやえい子
  10. To lose in amber / 島みやえい子
  11. 雨に歌う譚詩曲 / Healing Leaf
  12. 秋風に君を想ふ / Healing Leaf
  13. Rimless ~フチナシノセカイ~ / IKU
  14. 木の芽風 / IKU
  15. WHEEL OF FORTUNE (運命の輪) / 島みやえい子
  16. 銀河の子 / 島みやえい子
  17. Shining stars bless☆ / 詩月カオリ
  18. Chasse / 詩月カオリ
  19. Senecio / 詩月カオリ
  20. SWAY / 詩月カオリ
  21. Change of heart / 詩月カオリ
  22. Do you know the magic? / 詩月カオリ
  23. リアル鬼ごっこ / KOTOKO
  24. 羽 / KOTOKO
  25. Close to me… / KOTOKO
  26. 季節の雫 -The Front Line Covers ver.- / KOTOKO
  27. きれいな旋律 / KOTOKO with マーティ・フリードマン
  28. U make 愛 dream / KOTOKO
  29. Re-sublimity / KOTOKO
  30. ハヤテのごとく! / KOTOKO
  31. under the darkness / C.G mix
  32. version up / C.G mix
  33. ミオクルカラ / C.G mix
  34. True eyes / C.G mix
  35. DETECT / C.G mix
  36. Welcome to HEAVEN! / C.G mix
  37. Crash Course ~恋の特別レッスン~ / SHORT CIRCUIT(KOTOKO to 詩月カオリ)
  38. 恋愛CHU! / SHORT CIRCUIT(KOTOKO to 詩月カオリ)
  39. SAVE YOUR HEART -Album Mix- / SHORT CIRCUIT(KOTOKO to 詩月カオリ)
  40. Double Harmonize Shock!! / SHORT CIRCUIT(KOTOKO to 詩月カオリ)
  41. KILL / MELL
  42. SCOPE / MELL
  43. さよならを教えて ~comment te dire adieu~ / MELL
  44. repeat -Deep Forest Remix- / MELL with エリック・ムーケ
  45. Bizarrerie Cage / MELL
  46. Red fraction / MELL
  47. 美しく生きたい / MELL
  48. HYDIAN WAY / Love Planet Five with BLUEMAN GROUP
  49. See You ~小さな永遠~ / Love Planet Five
  50. 天壌を翔る者たち / Love Planet Five
  51. Fair Heaven / Love Planet Five

(Quelle: I’ve Sound Explorer)

We will, we will faun you!

Auf diesen Samstagabend hatte ich mich schon lange gefreut und endlich war der Tag gekommen: ich sollte Faun nach langer Zeit wiedersehen. Und erneut lud die Weltmetropole Glauchau zu diesem Ereignis ein, wenngleich der Ort des Geschehens dieses Mal die „Alte Spinnerei“ sein sollte. Zumindest waren wir damit vor schlechten Witterungsbedingungen – welche sich erwartungsgemäß einstellten – gefeit.

Man könnte meinen dass der Mensch lernfähig ist, doch ebenso wie beim letzten Mal gestaltete sich die Anreise schwierig. Erst nachdem René und Nils, meine Begleiter, und ich eine große Schlaufe in die dem Ziel entgegen gesetzte Richtung gefahren waren, fanden wir den richtigen Weg und beendeten unsere Fahrt punktgenau vor dem Konzertgebäude. Und überpünktlich waren wir dieses Mal auch. Die Türen wurden geöffnet und wir betraten die Halle.

Diese war recht geräumig und verfügte über eine Terasse rechts oben neben der bereits vorbereiteten und in ein tiefes Blau getauchten Bühne.  Zur Terasse führte im Zentrum der Halle eine Treppe, vor welcher die Tontechniker ihren Platz gefunden hatten. Zuallererst suchten wir den Nikolaus am Merchandising-Stand auf. Offenbar verrichtete er hier seine Ferienarbeit und bot wie üblich viele gute Dinge an. Da gab es Silberlinge in verschiedenen Formen und Farben, Kleidungsstücke sowie Ansteckbuttons und Poster. Zu den Silberlingen zählte natürlich auch das neueste Klangsammelsorium Fauns, welches auf den mysteriös anmutenden Namen „Totem“ hört. Eines der 25 Exemplare der limitierten Fassung zu ergattern war ein wichtiges Vorhaben des Abends.

Nachdem die CDs in den Taschen unseres Packesels Nils’ sicher verstaut waren, begaben wir uns in eine Ecke der Halle und warteten auf den Beginn des Konzertes. Es sollte das zehnte auf Fauns erster richtiger Tournee sein, welche die Band unter anderem auch in die Niederlanden, Belgien und die Schweiz führen sollte. Doch heute Abend hatten wir sie ganz für uns und die Vorfreude darauf stieg stetig.

Eine recht lange Zeit später hielt uns kaum noch etwas auf unseren Plätzen und so begaben wir uns zur Bühne. Standesgemäß mussten wir natürlich auch dieses Mal in der ersten Reihe stehen. Und so begab es sich, dass etwa halb 10 Niel die Bühne betrat und sich bald darauf die verbleibenden Bandmitglieder zu ihm gesellten. Olliver gab nun bekannt, dass die eigentlich noch hätte auftreten sollende Vorband abgesagt hatte und wir somit in den Genuss eines verlängerten Vergnügens kommen sollten. Dass sich keiner von uns daran störte, dürfte ersichtlich sein.

Nun also war es soweit. Die klangliche Reise auf dem alten Weg, jedoch mit neuem Ziel, begann nicht wie üblich mit „Deva“ und „Punagra“, sondern mit „Gaia“ und „Rad“, zwei neuen Stücken aus „Totem“. Eine gelungene Umlenkung auf neue Pfade. Das Bühnenbild war eine Pracht: die Männer waren ganz in schwarz gekleidet, womit sie einen Rahmen bildeten. Einen Rahmen für zwei weiße, wunderschöne Schwäne mit engelsgleichen Stimmen. Fiona und Elisabeth sahen ebenso wie beim letzten Mal hinreißend aus, traten sie dieses Mal jedoch in weißen Kleidern auf.

Gespielt wurde etwas von allem; sowohl Stücke aus dem neuesten Werk als auch vertraute Stücke aus den vorangegangenen. Auch „Cunti Simus Concanentes“, ein Klassiker wurde gespielt.  Da letzteres früher noch ohne Niel geschrieben und gespielt wurde, wurde dieser hier kurzerhand von der Bühne verbannt. Aber wir wussten, „Nie’ll be back“. Später bei „Wind und Geige“ gab es offenbar eine Resonanz zwischen den Gedanken Niels und des Tontechnikers, denn der Bass gewann hier zunehmend an Kraft. Da wir ja wie gesagt direkt vor der Bühne standen, wurden die weichen Klänge von einem donnernden Beben begleitet.

Von den neuen Stücken hatte ich bis dato nur einige wenige gehört und zudem erst kurz zuvor auf der Autofahrt nach Glauchau. Eines der Stücke gefiel mir jedoch vom allerersten Ton an und war mir auch sehr gut im Gedächtnis geblieben: „2 Falken“. Es lässt sich wie ein Zusammentreffen von Faun mit dem klanglichen Ensemble Depeche Modes beschreiben. Und es klingt verdammt gut. Niel kann bei diesem Stück voll und ganz seine elektronischen Klänge einfließen lassen.

Auch ihre sprachliche Vielfalt stellten Faun wieder einmal unter Beweis und präsentierten „Tinta“, ein in spanischer Sprache gehaltenes Stück. Und da die berühmt-berüchtigte Riesentrommel Rüdigers auf der Bühne zu finden war, musste auch „Iyansa“ gespielt werden, worauf sich insbesondere René freute. Und auch dieses Mal duettierten hier am Ende Ollivers Nyckelharfe und besagte Trommel und gebaren einen unbeschreiblichen Rhythmus.

So verging die Zeit wie im Fluge und der Auftritt sollte bereits ein Ende finden. Sollte. Nachdem die Band die Bühne verlassen hatte, begann das Publikum in perfekter Harmonie zu klatschen, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Dieses lautstarken Signals konnte sich keiner erwehren und so betraten die Faunen wieder die Bühne und beehrten uns mit weiteren Stücken. Zu guter Letzt traten zur zweiten und für diesen Abend letzten Zugabe alleinig Fiona und Elisabeth auf die Bühne und rundeten den Abend perfekt mit „dem stillen Grund“ und einer unbeschreiblich schönen stimmlichen Darbietung ab.

Zu unser aller Bedauern wurde jedoch auch dieses Mal nicht die Igel-Saga gespielt und Fiona erklärte uns nach dem Konzert auch in kurzen Worten warum: bisher war es der Band noch nicht wieder gelungen, das Lied live so zu spielen, wie es auf dem zugehörigen Album zu finden ist. Obgleich das Publikum dies auch gar nicht erwartet und sich allein an der Tatsache, dass das Stück gespielt wird erfreuen würde, ist die Band damit noch nicht zufrieden. Perfektionisten, fürwahr.

Jedenfalls holten wir uns jetzt einige Getränke und warteten darauf, dass der übergroße Andrang beim Merchandising-Stand abnahm. Denn die frisch erstandenen Silberlinge wollten gerne signiert werden. Dies bot auch die Gelegenheit, mit jedem der Bandmitglieder einen kleinen Plausch abzuhalten.  So stellte sich nach einer kurzen „Kleid aus Rosen“-Einlage durch Nils und mich unter Anderem heraus, dass Olliver liebend gerne einem Auftritt Eric Fishs beigewohnt hätte, wenn dies der Tourzeitplan hergegeben hätte. Meine Freunde und ich dagegen hatten Eric erst wenige Wochen zuvor in Annaberg gesehen. Nachdem sich die Rauchschwaden in der Halle gelegt hatten, gesellte sich auch Elisabeth zu uns und komplettierte damit die Band wieder. Sie gab uns ein Versprechen, dessen Einhaltung es beim nächsten Auftritt in unserer Gegend zu überprüfen gilt. Die „Egil Saga“ sollte dann nach langer Zeit endlich wieder einmal live gespielt werden. Wir sind gespannt.

Nun also schloss ein wunderbarer und mit schöner klanglicher Vielfalt gefüllter Abend ab und wir begaben uns wieder auf die Heimreise. Etwas unsicher aber letztendlich doch erfolgreich verließen wir die Stadt Glauchau und kehrten alle wohlbehalten heim.

Zum Abschluss gibt es auch dieses Mal wieder ein paar Videoaufnahmen, welche ich nun auch einmal mit einem angenehmen Ein- und Ausblendeffekt versehen habe. Leider ist mir dies bei der Tonspur bisher noch nicht gelungen; meine Suche nach einem geeigneten Programm oder einer Anleitung geht also weiter. Die aufgezeichneten Stücke sind dieses Mal „Rad“ im Anschluss an „Gaia“, „Andro“, „Satyros“ in einer Variation, „Iyansa“ und „Sirena“ sowie zum Ausklang „Der stille Grund“. Wie gehabt wünsche ich viel Vergnügen mit den Aufnahmen. Alle Bilder zum Konzert finden sich hier:

Der ganz normale Wahnsinn

Am Freitagabend zu später Stunde entschied ich mich kurzfristig, einem Ereignis der etwas ungewöhnlichen Art beizuwohnen. Grund: es handelte sich um einen Auftritt der Boygroup Knorkator. Ort der Veranstaltung war der Klub Neue Mensa, wo normalerweise schlaue Köpfe dinieren. Kurz vor dem geplanten Einlasszeitpunkt hatte sich bereits eine Unmenge an Interessierten eingefunden.

Doch wir mussten uns in Geduld üben, denn der tatsächliche Einlass fand leider erst eine Stunde später statt. Doch dann war es soweit und mein Begleiter und ich platzierten uns direkt vor der Bühne und vor den Lautsprechern. Ein folgenschwerer Fehler, wie wir später bemerken sollten. Denn schon die Vorband machte sich lautstark bemerkbar, was zu spürbaren Schwingungen des Trommelfelles führte.

Sie nannten sich „Lipsticks“ und spielten von den Ramones inspirierte Punk-Stücke. Es handelte sich um nichts Weltbewegendes, aber gut gesungen und gespielt wurde nichtsdestotrotz. Zudem waren die Mädels allesamt sehr nett anzusehen. Bedauerlich, dass den Drummer stets das Schicksal ereilt, im Hintergrund versteckt zu werden. Doch die Menge ließ sich noch nicht so recht begeistern, weshalb sich die Zwischenrufe meist auf „Ausziehen!“ oder „Knorkator!“ beschränkten. Doch die Lipsticks nahmen dies gelassen hin und zeigten eine gute Show als Newcomer. Je länger sie spielten, umso deutlicher wurde, dass sie musikalisch durchaus etwas zu bieten hatten. Doch nach einigen weiteren Stücken schlossen sie ihren Auftritt ab und räumten die Bühne.

Nun hielt der Wahnsinn auf luftigem Wege (siehe erste Videoaufnahme) Einzug und warf der Menge augenblicklich schmetternde Gittarrentöne entgegen. Die „meiste Band Deutschlands“ schickte sich nun an, sowohl unsere Stimmbänder, unsere Lachmuskeln als auch praktisch den gesamten restlichen Körper gehörig zu fordern. Sogleich in den ersten Stücken weihte Alf Ator sein „Zepter“ ein, was ein einfältiger Mensch als Klobürste ansehen würde. Der Stumpen zeigte im Verlaufe des gesamten Abends, warum er eigentlich ebenso gut eine Karriere als Akrobat hätte einschlagen können.

Die Texte der gespielten Stücke waren – obwohl schwierig akustisch zu verstehen – sowohl stark satirisch aber teilweise auch einfach nur urkomisch und in Kombination mit Mimik und Gestik von Alf Ator sowie Stumpen (Buzz Dee bewegte sich kaum) ein einmaliges Erlebnis. Und auch das Publikum wurde munter in die Vorführung eingebunden, sei es durch kleine Dialoge oder vorherrschende Monologe (auch wenn der Unterschied kaum wahrnehmbar war) als auch dadurch, dass Alf Ator kräftig sein „Schlaginstrument“ auf die Menge niedersausen ließ. Auch liebevolle Beleidigungen wurden zwischen Band und Publikum ausgetauscht. Zudem ist Knorkator die allererste mir bekannte Band, die sich um das leibliche Wohl seines Publikums sorgt. So wurden passend zum Stück „Ma Baker“ Toastscheiben ins Publikum (und zurück) „gereicht“, was die erste Stufe der Verwahrlosung der Bühne darstellte. Etwas später folgten hier noch eine Konfetti- und eine Laubdusche.

Von den gespielten Stücken waren mir persönlich leider nur drei akustisch und davon zwei namentlich bekannt, was dem Gesamterlebnis jedoch keinen Abbruch tat. Ich vernahm auch mit Interesse unsere baldige „internationale Nationalhymne“ namens „Wir werden alle sterben“; ein sehr vielversprechendes Stück. Im weiteren Verlauf der Entertainment-Show wurden einige ausgefallene Musikinstrumente eingebracht und so manches auch über den Jordan geschickt. So wurde zum Beispiel Alfs Orgel immer mehr in ihre Einzelteile zerlegt. Und wieder einmal stellte der Stumpen seine Körperbeherrschung unter Beweis, denn er erklomm seinen Buzz Dee und verließ ihn mit einem Handstand. Diverse Tänze wurden auch seinerseits vorgeführt, wobei unter anderem Bruce Lee von Stolz erfüllt gewesen wäre.

Zu (beinahe) guter Letzt wurde noch „Weg nach unten“, ein mir persönlich bekanntes und geschätztes Stück, gespielt und das Publikum beteiligte sich akustisch so gut es möglich war. Danach sollte eigentlich Schluss sein, doch wie so üblich ließen wir uns damit nicht abspeisen und forderten eine Zugabe. Man zeigte sich gnädig und fragte uns sogar, wie viele Stücke es denn sein sollten. Wir einigten uns nach kurzen Verhandlungen auf drei und genossen diese letzten Minuten mit den Chaoten. Am Ende der Vorführung sah die Bühne aus wie ein Schlachtfeld; wer diese Sauerei danach wieder sauber zu machen hatte, verdient tiefsten Respekt.

Jedenfalls lag nun ein lohnender Abend hinter mir und bereits auf dem Heimweg und am darauf folgenden Tage machten sich die Auswirkungen der Lautsprecher bemerkbar. Mein Begleiter und ich wurden stets von einem lauschigen Rauschen und einem sympathisch hellen Ton begleitet, was die Kommunikation untereinander und mit anderen etwas erschwerte. Aber „das war’s wert“.

Meine Videoaufnahmen sind dieses Mal aufgrund der zu geringen Entfernung zu den Lautsprechern akustisch etwas verunstaltet, aber dennoch sehenswert. Auch von den Lipsticks gab es im Übrigen eine Aufnahme, doch diese ist fast gänzlich unbrauchbar. Darum beschränke ich mich auf „Verflucht und zugenäht“, Knorkators Intro, sowie „Kurz und klein & Hardcore“. Sämtliche Bilder zu diesem Erlebnis für alle Sinne finden sich hier:

DZUP

Die Stadt Dresden gefällt mir von Tag zu Tag besser. Ich wohne gerade einmal zwei Tage lang hier und schon steht die erste große Veranstaltung vor der Tür: ein umfangreiches Konzert im Industriegelände der Neustadt.

Eine Mitbewohnerin begleitet eine der Bands nun schon seit einigen Jahren und kennt auch Carter, den Gitarristen besagter Band sehr gut, ihr war also ein Eintrag auf der Gästeliste sicher. Und nachdem ich mir die Namen der angekündigten Bands einmal auf der Zunge habe zergehen lassen, war für mich klar, dass ich unbedingt dabei sein musste. Die Anreise zum Ort des Geschehens gestaltete sich dank der ständig verkehrenden Straßenbahn sehr unkompliziert und dort angekommen waren auch bereits sehr viele, mehr oder weniger geduldig auf den Einlass wartende, Musikliebhaber zu sehen.

Es handelte sich um ein weiträumiges Gelände mit vielen größeren gänzlich mit karminroten Ziegeln errichteten Gebäuden. Der Gedanke, dass es sich hier in der Tat um einen sehr guten Platz für solcherlei Veranstaltungen handelte, bestätigte sich nach dem Einlass in die „Reithalle“ umso mehr. Das Innere dieser Halle war reich an Platz und Elektronik für die Tonanlage. Das Kommende musste schlichtweg gut werden. Nach kurzer Zeit trafen wir auch auf besagten Gitarristen und unterhielten uns kurz mit ihm, bevor er in Vorbereitung auf seinen Auftritt wieder verschwand.

Wiederum nach etwas Wartezeit begann die Veranstaltung nun endlich punkt Acht Uhr mit dem Auftritt von Down Below. Ich hatte von meiner Mitbewohnerin im Vorfeld schon einige Beschreibungen gehört, doch ein Bild dieser Band konnte ich mir erst jetzt machen. Und es sah erstaunlich gut aus. Sie mögen momentan noch nicht allzu bekannt sein, doch das Potential um dies zu ändern haben sie allemal. Dass sie schon bald größere Bands wie Evanescence auf Europa-Tournee begleiten werden, kann diesem Unterfangen nur dienlich sein.

Zudem bekam ich hier zum ersten Mal den Eindruck, dass das Dresdner Publikum weitaus unverkrampfter sei. Denn es wirkte vom ersten Tone an begeistert mit, wo es bei anderen Vorbands zuerst einmal gilt, das Eis zu brechen. Hier jedoch war von Eis nichts mehr zu sehen. Nach einer halben Stunde Spielzeit hieß es jedoch schon wieder Abschied zu nehmen, welcher jedoch nicht ohne einen gebührenden Applaus von Statten ging. Es begann nun wieder eine, wenn auch nicht sonderlich lang währende, Zeit des Wartens.

Diese endete schlagartig, als die ersten Mitglieder der Opelgang von Zeromancer die Bühne betraten. Die vorgewärmte Menge wurde durch den Auftritt der vier Norweger zu neuen Höhen bewegt. Während sich Neo Scope, der Sänger von Down Below, noch während des Auftritts allmählich seiner Oberbekleidung entledigte, trat der Sänger von Zeromancer sehr zur Freude des in der Überzahl anwesenden weiblichen Publikums gleich von Anfang an dieserart auf. Besonders bemerkenswert am Auftritt dieser Band war das Schlagzeug, welches mit unbändiger Kraft den Rythmus für unzählige großartige und teilweise auch vertraute Stücke wie „Clone Your Lover“ und sogar einer Coverversion des Klassikers „Send Me An Angel“ vorgab. Zwar drohte ich die ganze Zeit von einer tanzenden Menge erschlagen zu werden, doch auch dies überstand ich schadlos. Die Zeit verging wie im Fluge und sehr bald endete die Vorführung.

Nun war die Menge bereit für den nächsten hochkarätigen Auftritt. Und passend dazu wurde auch die Stimmung des Bühnenbildes durch das Aufstellen vieler Kerzen angepasst. Das Licht wurde gedimmt und die Bühne in einen tiefen Blauton getaucht …

Zum Gitarristen und Keyboarder gesellte sich nun auch der Hauptakteur: Der Graf. Zusammen bilden diese drei die Formation Unheilig. Mit wunderschön melodiös ausgearbeiten Stücken, einer kräftigen E-Gitarre, passender Perkussion und natürlich des Grafen markante Stimme sowie ganz eigene Art, die Musik in Mimik und Gestik zu untermalen, zogen sie die Menge sofort in ihren Bann. Kaum noch jemanden hielt es nun noch in seiner angestammten Position; es wurde zu Stücken wie „Tanz mit dem Feuer“, „Sieh in mein Gesicht“ und „Auf zum Mond“ – um einige wenige zu nennen – gejubelt, geklatscht und mitgesungen. Zu einem der Stücke schreitete sogar Peter, der Sänger der Folgeband, auf die Bühne und begleitete den Grafen gesanglich; eine sehr nette Dreingabe. Musikwünsche aus dem Publikum wurden von der Band dankend angenommen und so kam, zumindest meinerseits, Gänsehautstimmung auf, als kurz vor Schluss noch „Freiheit“ gespielt wurde: „Wenn ich fühle, dass ich lebe, dann will ich lauter schrein’!“ – und genau das tat das Publikum auch. Es gab kein Halten mehr, was letztendlich gegen Ende des Auftritts in einen minutenlangen Applaus mündete. Der Graf zeigte sich angesichts der Begeisterung des Publikums vollkommen überwältigt und titulierte Dresden als „ein Highlight der Tour“. Noch mehr Applaus war ihm nun natürlich sicher. Und selbst Banalitäten wie ein Tonproblem wurde herzhaft von Applaus begleitet. Es folgte noch ein letztes Stück, bevor die Band schließlich die Bühne verließ. Ein wahrhaft überwältigender Auftritt.

Mittlerweile zeigten sich bei mir erste Anzeichen von Erschöpfung, weshalb ich aus der immer weiter zusammenrückenden Menge flüchtete und am Merchandising-Stand wieder auf meine Beleiterin traf. Ich besorgte mir etwas zu Trinken, unterhielt mich ein wenig mit den Mitgliedern von Down Below und warf einen Blick auf das Angebot besagten Standes.

Nach einiger Zeit trat nun auch die letzte Band des Abends auf: Project Pitchfork. Ich hatte schon seit Ewigkeiten nichts mehr von dieser Band angehört und doch erkannte ich einige Stücke wie „Timekiller“, „Requiem“ und „Existence“ wieder. Doch war es ein langer Kampf, bevor mir der Titel letzteren Stückes endlich wieder einfiel. In meinem Gedächtnis waren nur noch Fragmente des zugehörigen Musikvideos und das Cover des passenden Albums, doch der Name des Stückes selbst wollte mir beim besten Willen nicht einfallen. Ein glücklicher Zufall war es dann nun, dass ausgerechnet dieses Stück auch gespielt wurde, eine Verkäuferin am Stand eine große Anhängerin der Band war und sogleich wusste, wie dieses Stück denn hieß. Dies war für mich Gedächtniserleichterung №1.

Mit markant elektronischen Klängen und eine rauhen Stimme wurde die Menge noch ein letztes Mal zu Höchstleistungen angetrieben, auch wenn ich persönlich vom Auftritt der Band nicht mehr allzu viel mitbekam. Ich verweilte weiterhin am Stand und genoss die Musik aus der Ferne.

Nach einiger Zeit gesellte sich auch Der Graf zu uns und signierte bereitwillig Karten, CDs und Poster, ließ sich im Kreise der Anhänger Unheiligs Musik ablichten und unterhielt sich angeregt mit ebenselbigen. Angesichts des Ansturmes meinte ich nun eine Audienz beim Grafen erbitten zu müssen, doch gelang es mir schließlich auch so, ihn auf ein Wort zu sprechen. Denn seit ich das Stück „Auf zum Mond“ zum ersten Male gehört hatte, wurde ich das Gefühl nicht mehr los, die Melodie dieses Stückes bereits einmal gehört zu haben. Der Graf schließlich erklärte mir, dass es zwar ein ähnlich klingendes Stück eines anderen Künstlers gäbe, das Stück für Unheilig jedoch gänzlich aus eigener Feder entstanden sei. Später sollte mir dann zuhause wieder einfallen, welches Stück ich im Sinn hatte: „Glorious“ von Andreas Johnson. Dies wiederum war Gedächtniserleichterung №2.

Auch der Auftritt Project Pitchforks fand irgendwann ein Ende und so verabschiedeten wir uns von den Mitgliedern Down Belows und begaben uns wieder auf die Heimreise, was sich selbst zu so später Stunde in Dresden als gänzlich unproblematisch erwies. Eine weitere ungewohnte Erfahrung.

Es lag ein großartiger und wunderbar ausgefüllter Abend hinter mir, welcher jeden Cent des Eintrittspreises wert war. Vier großartige Bands an einem Abend erlebe ich nicht aller Tage und bin froh, meine Mitbewohnerin begleitet zu haben. Da dies jedoch sehr kurzfristig geschah, hatte ich leider keine Zeit mehr, den Akku meiner Digitalkamera aufzuladen, weshalb es dieses Mal nur wenige Bilder und größtenteils ohne Blitzlicht gibt. Ich hoffe jedoch, dies mit meinen Beschreibungen wieder etwas wett gemacht haben zu können. Sämtliche Bilder finden sich hier:

Faun in Glauchau

An einem verregneten Freitag machten sich meine Mannen und ich auf, die Burg in Glauchau zu erobern. Uns wurde berichtet, dass sich am Abend ebenselbigen Tages ein denkwürdiges Schauspiel zutragen soll: der Auftritt der Gruppe Faun.

Doch zuvor standen wir der schwierig zu bewältigenden Aufgabe gegenüber, den richtigen Weg zur Stadt Glauchau zu finden. Wir trafen auf viele Irrwege und trotz unserer in weiser Vorausschau mitgenommenen Karte wurden wir von so manchem Pfad zum Narren gehalten. Schlussendlich konnte uns aber nichts von unserem Vorhaben abbringen und wir erreichten den Schloßplatz in Glauchau.

Recht schnell bemerkten wir, dass wir etwa um 2½ Stunden verfrüht eingetroffen waren und nahmen die Gelegenheit beim Schopfe und schauten uns ein wenig um. Angesichts des Mittelaltermarktes wurden erwartungsgemäß viele Stände aufgebaut und Waren jeglicher Art feilgeboten.

Nach einem kurzen geschickten Schachzug gelang es uns, die einzigen Wachen zu passieren und den hinteren Teil der Burg zu betreten. Dort lauterten allerlei seltsames Getier, wie etwa ein bellender Verkaufsstand und ein singender Baum. Davon unbeirrt stellten wir fest, dass im begehbaren Areal der Burg offenbar keine Schätze zu finden waren, weshalb wir uns außerhalb umschauten. Leicht entmutigt ob der dort felsenfest verschlossene Pforten aber erleichtert ob des abflauenden Regens machten wir uns auf, in die Burg zurückzukehren. Dort eingetroffen schlugen wir uns zuerst einmal unsere Bäuche voll, die Reise war schließlich lang und anstrengend. Hiernach begaben wir uns wieder zum Hauptplatz und besprachen die Lage ein wenig.

Nach einiger Zeit tat sich endlich etwas: die Bühne wurde vorbereitet und einige Zeit später traten auch die Hauptakteure auf. Aufgrund einiger klanglicher Schwierigkeiten zogen sich die Vorbereitungen in die Länge, doch kurz nachdem die Uhr acht mal geschlagen hatte konnte die Darbietung beginnen. Wie es anders gar nicht sein konnte, lenkte Elisabeth mit dem wunderschönen Eröffnungsstück „Deva“ die Aufmerksamkeit auf sich, welchletztere sich danach auf die gesamte Bühne verteilte, als „Punagra“ gespielt wurde. Es folgten viele wohlbekannte und stimmungsvolle Stücke. Lisa und Fiona glänzten hier nicht zuletzt aufgrund ihrer bezaubernden Erscheinung. Im gleichen Atemzug erwähnt werden muss natürlich Ollivers imposanter Umgang mit seinem recht interessanten Instrument, der Nyckelharfe. Und auch die rhythmische Unterstützung seitens Rüdiger und seinem schier endlosen Vorrat an Perkussionsinstrumenten trug ihren Teil zur Stimmung bei. Und Niel … versank im Nebel. Doch hin und wieder gelang es uns, ein kurzes Blitzen seiner Silhouette durch die nebelige Wand zu erspähen. Ohne seine elektronische Untermalung würde manchen Stücken einiges an Atmosphäre fehlen. Das hierbei markanteste Stück, „Egil Saga“, wurde bedauerlicherweise nicht gespielt, was einige in unseren Reihen bedauerten. Unsere Ohren wurde dennoch verwöhnt; sei es durch den betörenden Gesang der beiden Maiden im mysteriös anmutenden „Sirena“ oder durch Ollivers Stimme im „Tagelied“.

Als eines der letzten Stücke wurde „Iyansa“, untermalt von einer eindrucksvollen Trommel und einem treibenden Rhythmus, gespielt. Doch wir wären nicht die mutigen Mannen die wir sind, wenn wir nicht lautstark eine Zugabe verlangten. Diese wurde uns auch dreimalig gewährt. Danach ergriffen die Faunen die Flucht. Während ein Teil von uns sie weiterhin im Auge behielt machten wir uns zu einem Nebenschauplatz auf, wo vom Fernen melodische Klänge zu vernehmen und vom Nahen eindrucksvolle Lichtspielereien zu sehen waren. Ein Feuerkünstler hatte sich angeschickt, die unverändert große Menge an Schaulustigen zu unterhalten. Nach diesem kurzen Abstecher gesellten wir uns wieder zu den anderen.

Wir setzten uns auf die Brüstung und erholten uns von dem Schauspiel, nichtsahnend dass noch ein weiteres folgen sollte. Denn eben erwähnter Feuerkünstler und seine musikalischen Begleiter begaben sich, nachdem die Bühne nun frei war, auf ebendiese und boten wiederum ihr Schauspiel dar. Der Tanz mit dem Feuer wurde sehr eindrucksvoll vermittelt und mancherlei Bewegung ließ erahnen, wie viel Kontrolle der Künstler über sein feuriges Element gehabt haben muss. Zumindest meistens.

Nach diesem Spektakel vertraten wir uns noch einmal die Beine und warfen unter anderem einen näheren Blick auf einen Stand mit schmuckvollen Ausstattungsgegenständen. Die ebenfalls dort angebotene Klinge sagte mir jedoch nicht zu, sie war zu sehr mit schmucken Verzierungen versehen. Ich bevorzuge eine schlichtere Erscheinung. Jedenfalls sollte nun nichts nennenswertes mehr stattfinden, weshalb wir uns wieder auf den Heimweg begaben. Nun kannten wir alle Tücken des Weges und trotz der Dunkelheit kam jeder unversehrt in seinem Heim an. Es war ein prachtvoller, amüsanter und in jedem Fall unterhaltsamer Abend mit einer wundervollen musikalischen Vorstellung.

Zum Abschluss meiner Beschreibung unserer Erlebnisse biete ich hier nun noch ein paar audiovisuelle Aufnahmen an. Als erstes wären da „Deva“ und „Punagra“ sowie „Iyansa“ von Faun. Des weiteren ließ ich es mir nicht nehmen, nicht eine, auch nicht zwei, sondern ganze drei Aufnahmen erwähnten feurigen Tanzes zu tätigen. Die bildlich festgehaltenen Erinnerungen folgen im Anschluss. Ich wünsche viel Vergnügen damit.

Schelmish & Nachtwindheim

Zum Samstagabend sollten nach langer Zeit endlich wieder einmal mittelalterliche Klänge ertönen. Uns erwartete ein reichhaltiges und unterhaltsames Spektakel.

Dieses Mal gaben sich Nachtwindheim und Schelmish die Ehre und schickten sich an, in dieser gar grauen Winternacht den Geist des Schabernack und des Mittelalters in unseren schönen Ort in Mitten des Erzgebirges zu bringen.

Drei (noch) recht harmlos wirkende Gestalten begaben sich in das Rampenlicht und gaben sich als Nachtwindheim zu erkennen. Da sie mir noch nicht bekannt waren, konnte ich auch nicht ahnen, was da auf uns zukommen sollte. Denn einmal abgesehen vom sehr guten Umgang mit ihren Instrumenten – sie beherrschten den Umgang mit Trommel und Klampfe ebenso gut wie selbigen mit Dudelsack, Flöte und Schalmei – und ihrer gänzlich eigenen Art, das Publikum von Anfang an in ihren Bann zu ziehen war das wahre Schauspiel doch die Art und Weise, wie sie die Pausen zwischen ihren Liedern ausfüllten. Da wurden ein sinnfreier Wortwitz nach dem anderen gerissen, reinste Improvisation bewiesen und kleine, unterhaltsame Plaudereien mit dem Publikum gehalten, so dass kein Auge trocken blieb. Der sinistre Gesichtsausdruck des Trommlers ließ einen Hauch von Wahnsinn erahnen und seine Performance bestätigte dies. In ihr musikalisches Programm wurden neben ihren eigenen Stücken auch einige Klassiker der Mittelaltermusik, wie z. B. „Herr Mannelig“, der „T(r)aubentritt“ „Maria“ von Scooter und „Paranoid“ von Ozzy Obstbaum und seiner alten Band schwarzer, verkaufsfreier Sonntag eingebunden. Sie hielten einen Lobesgesang zu Bacchus und gaben am Ende ihres Besuches als Zugabe noch die längst verschollen geglaubte Originalfassung von „Hänsel und Gretel“ der Gebrüder Grimm zum Besten. Bei den Überlieferungen ist offenbar einiges verloren gegangen …

Die drei schrägen Vögel hatten damit ein wohl unvergessenes Programm präsentiert und wurden mit einem tobenden Applaus verabschiedet.

Nun zogen auch die lang erwarteten Hauptakteure auf die Bühne und wurden mit einem freundlichen „Guten Tag, ihr fetten Schweine!“ begrüßt. Die selbstbetitelt fetteste Mittelalterband Deutschlands wollte es ja so, wir konnten uns dessen also nicht erwehren. Darauf hin legten sie sogleich mit einem ihrer neueren Stücke vom etwas rockiger ausgefallenen neuen Album Mente Capti los und zeigten durchaus, dass ihnen auch dieses Gewand steht. Das Publikum ließ sich gerne vom treibenden Trommelspiel, den kraftvollen Gitarren und den lautstarken Dudelsäcken, Schalmeien und Flöten mitreißen. Die Befürchtungen von Dextro, einer der Frontsänger, den Text diverser Lieder zu vergessen, bestägte sich nicht ein einziges Mal, was ohne Zweifel am künstlerischen Einfluss unserer schönen Stadt lag.

Da der Trommler „es immer versaut“, musste dieser eine kleine Ehrenrunde durch das Publikum ziehen, um seine Kondition ein wenig aufzubessern. Etwas später folgte dann ohne Zweifel ein weiterer Höhepunkt des Abends: Luzis „Tanz“. Begleitet von stampfenden Trommeln, welche ein wenig an „We Will Rock You“ erinnerten, legte dieser nach und nach zur Freude oder zum Leid – je nach Fasson – des Publikums ein weiteres Kleidungsstück ab und ließ schließlich am Ende dessen tief blicken. Auf weitere Details gehe ich hier aber nicht mehr ein.

Beachtenswert waren unter Anderem auch die Tatsache, dass mancher Nachwuchs gleich von Anfang an mit der richtigen Musik aufwächst und die Gewänder, die sich manche Anwesende angelegt hatten. Und auch Schelmish konnten sich Anleihen an H. P. Baxter und seine Komparsen nicht verkneifen und holten ein Megaphon hervor.

Wiederum zu etwas späterer Stunde wurde dann auch offenbart, dass sich Jesus nach etwas mehr als 2000 Jahren von seiner Arbeit losreißen konnte und nun an der Lead-Gitarre von Schelmish zu finden ist. Zudem dürften wir in den Genuss seines orientalischen Bauchtanzes kommen. Für sein Alter bewegt er sich augenscheinlich doch noch recht gut.

Trotz der dicht auf einander gedrängten Menge und der doch recht stickigen Atmosphäre nahm die Stimmung nicht ab. Es wurden nun auch immer mehr klassische Mittelalterstücke mit teilweise vier Dudelsäcken auf einmal gespielt. Die Spielleute verabschiedeten und bedankten sich bei allen Beteiligten, nur um nach kurzer Zeit in Folge kräftiger Rufe nach Zugabe wieder auf die Bühne zu gehen. Sakepharus, der Trommler machte nun sein anfängliches Ungeschick wieder wett und gab, wozu sein Körper fähig war. Und wieder wollte sich die Band bereits verabschieden, doch das Publikum war unersättlich.

Zum krönenden Abschluss schließlich wurde ein Klassiker aus einem Land gespielt, als es noch frei war und nicht unter George W. Bushs kriegerischen Fuchtel stand: „Ring Of Fire“ von Jonny Cash. Wenn auch ungewöhnlich, so passte dieses Stück und die damit einher gehende hübsche Beleuchtung doch wunderbar in den herausragenden Abend und wurde vom Publikum letztendlich mit einem tobenden Applaus belohnt. Damit endete der mit wunderbaren Melodien gespickte Abend.

Auch dieses Mal habe ich es mir im Übrigen nicht nehmen lassen, einige Videoaufnahmen zu tätigen. Da ich den unvergesslichen Auftritt von Nachtwindheim einfach nicht unterbrechen konnte, blieb leider nicht mehr genügend Platz für eine Aufnahme von Schelmish. Ich hatte also die Wahl zwischen einem 5-minütigen Video oder vielen Bildern und entschied mich für Letzteres. Zuvor hatte ich noch einen weiteren Beleg für die Originalität von Nachtwindheim aufgezeichnet und bedauere, nicht den gesamten Auftritt aufgenommen zu haben; die drei wären es Wert gewesen. Da ich jetzt mit meiner Videosoftware besser zurecht komme, werde ich sämtliche Videos von nun an mit dem freien Xvid-Codec komprimieren.

Alle Bilder zum Abend können hier betrachtet werden:

The Night Of The Living Dead

Zum Samstagabend stand eine großartige Veranstaltung an, auf die ich schon sehr lange gewartet hatte: der Auftritt von Missing Link, Helrunar und The Vision Bleak in der Alten Brauerei in meiner Stadt.

Ich hatte mir angesichts dieser Klasse bereits im voraus Karten gesichert, was aber gar nicht unbedingt nötig war, wie ich später bemerken sollte. Zusätzlich hatte ich mich nun endlich einmal erbarmt und mir eine neue Digitalkamera geleistet. Die stark erhöhte Qualität macht sich an den Aufnahmen bemerkbar und zusätzlich ist es mir nun endlich möglich, Videos mit Tonspur aufzunehmen, wozu meine alte Kamera nicht fähig war. Dies jedoch nur als Information am Rande.

Überpünktlich trafen meine Begleiter und ich am Ort des Geschehens ein; uns sollte ein großartiger Abend bevorstehen. Ich betrat den Konzertsaal und musste zu meiner Verwunderung feststellen, wie wenig Menschen doch anwesend waren. Wusste niemand ob des großkarätigen Besuches Bescheid? War das Interesse wirklich so niedrig? Aber gut, vor dem eigentlichen Headliner sollten noch zwei Bands auftreten, die Situation konnte sich also noch durchaus bessern.

Zuallererst sollten Missing Link auftreten, was aber bedauerlicherweise nicht der Fall war. Statt dessen gaben sich Fimbultyr mit leichtem Corpse-Paint die Ehre, um zu zeigen, was ihre Songs hergaben. Bedauerlicherweise ist das Schicksal der zuerst auftretenden Band so gut wie immer, dass sie auf eine wenig interessierte und auch noch etwas zurückhaltende Menge trifft. Dem entsprechend fiel die Beteiligung ernüchternd gering aus. Die Performance der vier Annaberger war sicher nicht schlecht, konnte aber insgesamt nicht überzeugen. Es fehlte die Kraft, die jeden in ihrem Umfeld mit sich reißt und nicht mehr frei gibt. Diese Kraft erschien nun darauf folgend auf der Bühne. In Form von Helrunar.

Im Vorfeld hatte ich von einem Klassenkameraden schon viel Gutes über die Band aus Münster gehört, ich war dem entsprechend gespannt, ob sie wirklich so grandios seien, wie mir geschildert wurde. Ich sollte in keiner Weise enttäuscht werden. Mit dem ersten Ton hatten sie das Publikum für sich gewonnen und konnten mit ihrer Art überzeugen. Schon allein die Aufwärmübungen des Drummers waren vom ersten Augenblick an eindruckvoll; hier saß ein Könner am Schlagzeug. Nun trafen auch nach und nach immer mehr Interessierte ein und gesellten sich zu dem Spektakel. Nach dem ersten Song konnte ich mich auch nicht mehr halten, öffnete meine Haare und gab mich den brachialen Klängen hin. Mit einem guten Bekannten fand ich mich vor der Bühne ein und zeigte, wozu Haare alles zu gebrauchen sein können. Auch die Mitglieder von Fimbultyr gesellten sich zu uns, genossen den Auftritt und zeigten dies auch nach Leibeskräften. In Anbetracht dessen, dass ich zuvor noch nicht einen einzigen Ton von Helrunar gehört hatte, ließ ich mich erstaunlich schnell ob der Klasse dieser Band überzeugen. Meine Plattensammlung wird demnächst um weitere Schmuckstücke ergänzt werden. Die Menge war schließlich so begeistert, dass sie sich zu „Zugabe!“-Rufen hinreißen ließ, welche auch dankend gewährt wurde. Die Band gab noch einmal alles, was in ihren Kräften stand um ihren Auftritt unvergessen werden zu lassen.

Nach diesem Kraftakt wurde es wieder ruhiger, man vertrat sich die Beine und bereitete sich auf das schauerliche Spiel vor, was nun bevorstand.

Das Licht wurde gedimmt und gut bekannte Klänge setzten ein: Since the beginning of time there was darkness, and with darkness came fear. Through the slumber of aeons it could never be undone. The dark, the wicked and sinister dwells in all of your minds and now the stars are right to welcome the grand representatives of horror in this time and age. Ladies and Gentleman, the portals of darkness are open and the dead hunt over the earth … Here comes … The Vision Bleak

Mit einer mörderischen Energie wurde die Menge mit den melodisch-schaurigen Klängen der Herren des Horror-Rock konfrontiert und ließ niemandem mehr die Gelegenheit zu entkommen. Das finale Spektakel sollte nun beginnen. Der Auftritt war schlicht und ergreifend großartig, die bekannten Stücke konnten nun im ungefilterten Raum des Auftrittes ungehindert ihren Charme und ihre unbändige Kraft preisgeben, welcher meine Kumpanen und ich uns hingaben. Das schaurig-gute Outfit der Bandmitglieder unterstrich die Stimmung ihrer Songs hervorrangend, gemäß dem Titel eines ihrer Songs: „The Night Of The Living Dead“. Dieser und viele andere Stücke, von „Carpathia“, „The Deathship Symphony“ bis hin zu „Wolfmoon“, wurden gespielt und zur späten Stunde hieß es dann: Eleven fifty five, almost midnight. Enough time for one more story. „Elizabeth Dane“ heißt der zugehörige Song und heizte die Menge nur noch weiter an. Auch hier war eine Zugabe angebracht und auch diese erhielten wir.

Alles in allem also ein sehr gehaltvoller Abend mit großartigen Auftritten, stimmungsvollen, das heißt brachialen, Klängen und unvergessenen Erinnerungen. Meiner Meinung nach absolut empfehlenswert.

Als kleinen Bonus gibt es hier noch zwei Videos, die ich aufgenommen habe: „Raune mit der Tiefe“ von Helrunar sowie „Kutulu!“ und „The Deathship Symphony“ von The Vision Bleak. Die Bilder gibt es hier:

Mutabor in Annaberg

Da mein letzter Besuch in der örtlichen Alten Brauerei schon einige Zeit her war, ließ ich es mir nicht nehmen, als ich von einem recht interessanten Auftritt erfuhr. Der Gast: Mutabor.

Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten war es mir schließlich auch möglich, eine Karte zu ergattern—nun konnte dem Vergnügen nichts mehr im Wege stehen. Wir betraten den Auftrittsraum rechtzeitig zum Auftrittsende der Vorband. Sicher waren auch sie hörenswert, aber wir waren mit dem Vorglühen beschäftigt. Sogleich traf ich ein paar gute Bekannte, die zu solch einem Event nicht mit mir gerechnet hatten. Was soll ich sagen—ich bin vielseitig.

Nach einer kurzen Aufwärmphase (als ob es nicht schon warm genug im Raum gewesen wäre) konnte das Spektakel endlich losgehen. Die nachfolgenden Stunden waren von einem Bild geprägt: Eine erhitzte und pokende Menge ließ sich von bekannten Stücken antreiben. Jeder der auch nur ein paar Brocken Text kannte, machte sich bemerkbar. Jeder der keinen Text konnte auch. Der Gerstensaft floss in Strömen und tat sein übriges zur sehr munteren Stimmung. Selbst diejenigen, die eigentlich schon lange klinisch tot sein hätten müssen, sprangen in die Menge und aus der Menge. Die Band verstand sich darauf, die Menge anzuheizen und legte einen Ohrwurm nach dem anderen nach, was von den Anwesenden mehr als enthusiastisch begrüßt wurde. Es wurde ausgelassen gefeiert, gesungen und getanzt.

Zur Abkühlung zog man sich an die Seiten zurück, genehmigte sich ein weiteres Bier (und davon nicht zu wenig) und erfreute sich der tosenden Menge. Es wurden noch ein paar Bekanntschaften geknüpft, bevor sich der Auftritt langsam aber sicher dem Ende näherte. Standesgemäß wurden kurz vor Schluss noch „Es gibt keine Liebe“ und „Lump“ gespielt, was den Großteil der erschöpften Menge noch einmal anregte, sich zu verausgaben.

Dann hieß es Abschied nehmen und den Heimweg antreten. Mit ein paar Gerstensaft zuviel im Blut gestaltete sich dies bei manchen etwas schwierig, wenngleich auch amüsant. Aber letztendlich haben sie alle überlebt (zumindest habe ich bis jetzt nichts gegenteiliges gehört) und keiner dürfte es bereut haben, diesem Auftritt beigewohnt zu haben.

Bis zum nächsten Mal verblieben wir uns mit einem kräftigen *boooor*. Bilder gibt es hier:

Nightwish in Leipzig

Zu Anfang war es noch ziemlich ruhig und überschaubar. Doch das änderte sich bald und die Zahl der dunklen Anwesenden erhöhte sich rapide. Zwar mussten wir noch einige Zeit auf den Einlass warten, aber zumindest wurde die Warterei durch ein paar alte Bekanntschaften entschädigt. Zwischenzeitlich kamen schon diverse Drohrufe auf, dass doch die Tür geöffnet werden solle, obwohl sie es bereits war… Dann aber wurden wir endlich erlöst und die Mengen stürmten in die Halle. Wir waren mit einem Platz in den vorderen Rängen gesegnet, wodurch wir einen ziemlich guten Blick auf die Bühne hatten. Nach einer weiteren, halben Ewigkeit des Wartens ging es dann auch endlich los.

Die erste Vorband waren Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus. Abgesehen vom auffälligen Namen traten sie noch mit einer weiteren Besonderheit auf: Timo sang deutsch! Es war mir schon bekannt, dass er deutsch singen kann, aber das wir in Genuss dessen kommen würden, hätte ich nicht gedacht. Die Gitarrenakrobatik war beachtlich. Als Einstiegsband waren sie sicherlich gut, jedoch kamen ihre Talente nicht richtig zur Geltung, dafür war die Menge einfach noch nicht genug angeheizt. Dennoch eine gute Show und ein charismatischer Sänger.

Doch dann wurde es dunkel und man ließ uns mit ein paar Lichtspielereien allein. Dass nun wiederum Umbauarbeiten im Gange waren ließ auf Gutes hoffen. Es schien wiederum eine halbe Ewigkeit zu dauern, bevor die Pausenmusik verstummte und bekannte Klänge durch die Boxen strömten. Doch dann sollte es endlich soweit sein.

Tony Kakko und die Mannen von Sonata Arctica stürmten auf die Bühne und wurden vom Publikum lautstark empfangen. Der Jubel war groß und die darauffolgende Show bestätigte die Freude. Neben einigen neuen Songs wurden unter anderem „Victoria’s Secret“, „Broken“ und einige andere Songs der alten Alben gespielt. Die Menge war nicht mehr zu halten. Bei Tonys mehr als überzeugenden Art taute auch jeder noch so träge Klotz auf und beteiligte sich an der Show. Als sie dann die Bühne verließen, wurden sie noch einmal richtig gefeiert. Nun war die Menge mehr als heiß…

Erneut wurde es dunkel und die Vorfreude auf das, was nun kommen sollte war spürbar. Wer nun kommen sollte, war daran zu merken, dass Vodkaflaschen bereit gestellt wurden… Aber auch diese Wartezeit ging vorbei und es begann wie immer: Jukka stürmte auf die Bühne und begrüßte als Erster das Publikum. Nach und nach kamen dann auch Tuomas, Marco, Empuu und zu guter Letzt Tarja auf die Bühne – Nightwish waren komplett. Sogleich ging es mit einem perfekten Opener in Form von „Dark Chest Of Wonders“ los. Die Menge war sichtlich erfreut und die Beteiligung war enorm.

Marco gab alles was er hatte und Tarjas Stimme war so rein und klar wie eh und je. Auch hier wurden einige neue Songs vom neuen Album „Once“ gespielt. Der größere Teil war jedoch – sehr zur Freude des Publikums – von den vorherigen Alben. Neben „Bless The Child“, „Wishmaster“ und „She Is My Sin“ wurden noch viele andere, wohlbekannte Stücke gespielt. Eindrucksvoll, wenngleich auch ziemlich simpel war der kleine Wassereffekt bei „Nemo“. Der schönen Atmosphäre tat dies keinen Abbruch – im Gegenteil… Es dürstete das Publikum am Ende sogar noch nach Zugaben, die von Tuomas und Co. auch bereitwillig gewährt wurden. Leider konnten meine Begleiter und ich diesen nicht mehr beiwohnen, da wir schon sehr erschöpft waren, kaum noch stehen konnten und kurz vor dem Verdursten waren. Diesbezüglich kann ich zum Ende des Konzertes und der Aftershow-Party keinen Kommentar abgeben.

Im Nachhinein gesehen kann ich mich erdreisten zu behaupten, dass Sonata Arctica der wahre Höhepunkt des Abends waren. Sie verstanden es einfach, die Menge mit ihrem klassichen Melodic-Metal zu verzaubern und anzuheizen. Dennoch waren alle Auftritte sehenswert und ich wäre um viele Erfahrungen ärmer, wenn ich dies hätte verpassen müssen. Visuelle Eindrücke hier: