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Guten Morgen Deutschland!

Seit Dienstag letzter Woche befinde ich mich wieder in deutschen Landen. Mein Rückflug gestaltete sich ebenso wie mein Hinflug mit dem Unterschied, dass der Münchner Flughafen deutlich angenehmer zu begehen ist.

Damit ist also mein Praktikum(ssemester) abgeschlossen und ich kann auf viele interessante, schöne aber auch lehrreiche Erfahrungen zurückblicken. Abgesehen vom stark zugenommenen Wissen bezüglich TYPO3 und seiner Internas und meinen geringfügig verbesserten Sprachfähigkeiten habe ich doch auch Einiges über das Land Japan und seine Kultur gelernt.

Es besteht eben ein großer Unterschied zwischen ein Land besuchen und dort wirklich leben. Erst durch letzteres lernt man das Land wirklich kennen und vermag einzuschätzen, ob man dort vielleicht verweilen mag. Ich für meinen Teil kann sagen, dass Japan ein sehr interessantes Land ist, aber für immer leben könnte ich dort – zumindest in größen Städten – wie Tokyo nicht unbedingt. Dafür ist die Umgebung einfach viel zu schmutzig und hektisch. Anderererseits sagt mir die Kultur Japans sehr zu, weshalb ich einen längeren Aufenthalt in ruhigeren Gefilden nicht ausschließen möchte.

Aber meine Wahlheimat ist und bleibt Dresden, auch wenn ich mich nun erst einmal wieder an die Umgebung und die Menschen gewöhnen muss. Die Unterschiede sind zum Teil dann doch gravierend.

Jedenfalls beginnt morgen bereits mein sechstes Fachsemester und auch dafür habe ich wieder einiges vor. Zu den obligatorischen Fächern werden sich nun die wahlobligatorischen gesellen, an welchen ich vor dem Praktikumssemester aus Zeitmangel nicht teilnehmen konnte. Zudem möchte ich eine Werksstudenten-Tätigkeit ausüben, um mir ein kleines Taschengeld dazuzuverdienen. Schließlich plane ich, zumindest in dem Sommer-Semesterferien für etwa einen Monat erneut nach Japan zu fliegen. Und sowohl der Flug als auch das Reisen dort ist sehr kostspielig.

Ich freue mich nun auf das neue Semester und dass ich wieder im schönen Dresden sein kann. Einen riesigen Wehrmutstropfen hat das Ganze aber: meine Freundin musste vorerst in Japan bleiben. Erst ab Ende diesen Jahres hat sie Möglichkeiten, für Ausbildung respektive Studium nach Deutschland zu kommen. Doch wir beide geben unser bestes.

Kyoto

Die verbleibende Zeit vor meinem Rückflug nach Deutschland wollten meine Freundin und ich noch einmal voll auskosten und eine Reise unternehmen, die uns aus dem stickigen Tokyo herausführen sollte. Nach einigen Überlegungen entschieden wir uns schließlich für die Stadt der Tradition: Kyoto.

Wie auf der Karte zu erkennen ist die Stadt Kyoto reich an Tempeln und anderen Erbgütern so dass man von Glück reden kann, dass die Stadt im zweiten Weltkrieg verschont geblieben ist. Ansonsten hätte Japan ein Juwel und mit ihm viele traditionelle Orte verloren.

Tag 1: Unlimited Torii Works

Für die Reise dorthin kam natürlich einzig und alleine der Shinkansen in Frage, da wir ja schließlich auch noch etwas vom ersten Tag haben wollten. Aber auch so mussten wir etwa 3 Stunden im Zug verbringen, welche jedoch dank leckerem Zug-Bento und einer sehenswerten Landschaft recht schnell vorüber gingen.

Unser Hotel hatten wir nicht von ungefähr sondern aus verschiedenen guten Gründen ausgewählt. Einer davon erwies sich direkt bei unserer Ankunft als angenehm: von der Bahnstation zum Hotel waren es gerade einmal 5 Minuten Fußweg. Das Hotel Monterey sollte erst in den nächsten Tagen sein zweijähriges Bestehen feiern und die Ausstattung und der Service waren von höchster Qualität. Unser Zimmer war nicht unbedingt groß, wirkte auf uns aber sehr sauber und wie das Hotel allgemein sehr angenehm. In der Lounge wurden wir sogleich freundlich begrüßt und man bot uns das Verwahren unseres Gepäcks an. Nachdem wir unser Gepäck abgestellt hatten, machten wir uns zu einem unserer vorweg ausgewählten Ziele auf.

Der Fushimi-Inari-Taisha-Schrein im Südosten Kyotos war unser erstes Ziel. Bereits am Eingang begrüßte uns eines von vielen Torii, welche auf dem Gelände dieses Schreins dominant und in der ganzen Stadt verteilt sind. Diesen Aufbauten wird nachgesagt, dass sie böse Geister abhalten und denjenigen, der durch sie läuft vor Unheil schützt. Insofern dürfte man in diesem Schrein sehr sicher sein, da hier ganze Torii-Tunnel errichtet wurden. Der Anblick dieser in Reih und Glied aneinander geketteten Torbögen war wirklich erstaunlich und zeugte von Jahrzehnte oder gar noch längerer Fürsorge und Pflege. Meine Freundin erzählte mir in diesem Zuge auch, dass oftmals ausländische oder im Ausland lebende japanische Leute Geld für die Errichtung eines neuen Torii spenden. Und tatsächlich fanden sich auf vielen dieser Torii namentliche Verewigungen.

Der Weg führte uns auf verschlungenen Pfaden tief ins Innere des Waldes, vorbei an kleinen Altären und Gedenkstätten. Recht weit oben am Berg fand sich sogar ein kleines Gasthaus welches zur Einkehr einlädt. Wir setzten unseren Weg jedoch fort und erklimmten schließlich eine Plattform etwas weiter oben. Von hier aus konnte man die weite Flur überschauen und bis ans andere Ende von Kyoto blicken. Dazu gesellten sich die letzten Sonnenstrahlen des Tages und verliehen dem Himmel einen malerischen Farbverlauf. Direkt neben uns gestaltete sich zudem ein recht merkwürdiges Naturschauspiel: eine riesige Kolonie an Krähen erhob sich auf ein Mal in die Lüfte, nachdem sie zuvor den Bäumen ausharrten. Der Flug trieb sie jedoch nicht weit, so sie denn bereits nach einigen Metern eine Kehrtwende machten und in die Baumwipfel zurückkehrten. Und das wiederholte sich danach. Immer und immer wieder. Wie gesagt, merkwürdig.

Auf dem Rückweg schauten wir uns noch das Hauptgebäude auf dem Schreingelände etwas genauer an und entdeckten Laternen mit den Silhouetten der verschiedenen Sternzeichen. So machten wir es uns noch zur Aufgabe, jeweils unsere und die unserer Eltern und Bekannten ausfindig zu machen. Schließlich wurde es aber auch dunkel und wir machten uns auf den Weg zurück ins Zentrum um noch einen Ort für das noch ausstehende Abendessen zu finden.

In der überdimensionierten Kyoto-Station von JR sind wir schließlich fündig geworden. Neben den endlos fortwährend wirkenden Treppen im Inneren finden sich dort auch diverse Läden und Restaurants auf  jeder Ebene. So sind wir auf ein traditionelles Restaurant gestoßen und haben uns schließlich für eine Köstlichkeit entschieden: Soba nebst etwas Tempura. Passend dazu natürlich auch den unbeschreiblich aromatischen Soba-Cha, Buchweizen-Tee also. Die Soba-Nudeln in Kombination mit der kühlen Soja-Dashi-Suppe sowie Lauch und Sesam mundet einfach in jeder Hinsicht.

Nach diesem köstlichen Mahl machten wir uns auf, auch noch die restlichen Stufen bis zur obersten Ebene zu erklimmen, womit wir die 葉っぴてらす, die Happy Terrace erreichten. Neben angenehmer Beleuchtung und Pflanzen konnte man dort allerdings nicht mehr viel sehen, da leider in jeder Richtung hohe Wände die Sicht blockierten. So traten wir schließlich den Heimweg zum Hotel an und konnten schließlich bereits auf einen ereignisreichen Tag zurückschauen.

Tag 2: Einmal Tempel und zurück

Den nächsten Tag starteten wir mit einem guten Frühstück beim nahe gelegenen Starbucks. Bei einem der vielen. Starbucks auf der an unserem Hotel gelegenen Straße ist mit Dönerbuden bei uns vergleichbar: maximal 20 Meter Abstand, so dass auch niemand auf dem Weg verhungern muss. ;-) Somit gestärkt begaben wir uns an diesem Tag weit nach Westen zum Katsuragawa-Fluss im Ortsteil Arashiyama. Die Umgebung vermittelte hier eine angenehme Ruhe, sei es durch das gemächliche Fließen des Flusses oder die Berge, die eine Unverwüstlichkeit ausstrahlen.

Trotz der niedrigen Temperaturen trieben sich an diesem Ort einige Interessierte herum und es gelang uns sogar, einige erste kleine Blüten an den Bäumen zu erkennen. Inmitten dieses Geflechts aus Zweigen hatten es sich Spatzen gemütlich gemacht und genossen sichtlich die Sonne, die sich nun auch endlich durch das dicke Wolkendach kämpfen konnte. Die sanften Lichtstrahlen spiegelten sich auf dem Wasser wie feiner Diamantenstaub. Idyllisch.

Nicht unweit des Flusses fanden wir sogleich auch unser nächstes Ziel, den Tenryū-ji-Tempel. Vorbei an kleineren Tempelgebäuden und Gärten ganz im Sinne der Zen-Philosophie erreichten wir die Haupthalle und damit auch den daneben angelegten Teich. Wie so oft in Japan tummelten sich hierin unzählige Koi-Karpfen und alle bei bester Gesundheit. So gesund, dass hin und wieder einige aus dem Wasser sprangen. Weiter des Weges näherten wir uns allmählich der Gartenanlage und erlaubte uns einen ersten Blick auf die Kirschblühte dieses Jahres. In liebevoller Feinarbeit wurde der Garten gehegt und gepflegt und der Spaziergang hindurch gestaltete sich als wahre Wonne. Und in den oberen Baumkronen der Bäume konnte man einen Blick auf Mejiro erhaschen. Da hieß es innehalten und die Seele baumeln lassen.

Schließlich verabschiedeten wir uns jedoch vom Tempel und gingen weiter unseres Weges, da Kyoto noch viele andere schöne Orte zu bieten hat. Somit fuhren wir also wieder zurück ins Stadtzentrum und stürzten uns im starken Kontrast zur ruhigen Idylle wenige Momente zuvor nun in das wuselige Stadtleben Kyotos. Nach kurzer Zeit trieb es uns in eine kleine Seitengasse wo es von traditionellen Wohnhäusern und Gaststätten nur so wimmelte. Auch einer der sehr flachen Flüsse, die sich gemütlich kreuz und quer durch die Stadt winden und die Häuserfassaden, die aneinandergereiht dem Flussverlauf folgen, ist ein Anblick für sich. Zurück an der JR-Station kehrten wir in eine andere Gaststätte ein und gönnten uns zur Abwechslung einmal ein etwas untypischeres Essen: Spaghetti und Pizza. Auch wenn das Essen selbst schmackhaft war, sollten wir diese Entscheidung am nächsten Tag bereuen; der hohe Fettgehalt ist nun einmal schwer zu verdauen.

Tag 3: Beeindruckende Bauwerke

Nach dem Aufbruch am Morgen wanderten wir durch eine kleine Häuserschlucht in einen Innenhof und fanden zu unserem Erstaunen einen Tempel vor. Inmitten der Hochhäuser der Innenstadt von Kyoto. Gut besucht von Menschen und Tauben war dies ein ungewöhnlicher Anblick.

Unser erstes Ziel des Tages sollte an diesem Tage der Kiyomizudera-Tempel sein. Da wir auf das Frühstück zugunsten eines leckeren Mittagessens verzichtet hatten, begaben wir uns auf dem Weg dahin auf die Suche nach einem Restaurant und wurden schließlich nicht nahe des Tempels fündig. Ein Restaurant spezialisiert auf Tofu und die unzähligen Möglichkeiten, daraus Speisen zu bereiten erschien uns verlockend weshalb wir dort einkehrten. Im Eingangsbereich konnte man den Meistern in der Küche sogar durch Schaufenster beim Zubereiten der Speisen zuschauen.

Wir entschieden uns für ein Menü, welches Tofu in Formen enthielt, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Da gab es die reguläre Rohform als weißer und sehr weicher Würfel, als hauchdünner Film zusammengerollt mit Naruto, gebraten mit Miso-Paste und in einem Topf zum Abnehmen der Haut beim Erhitzen. Dazu noch als Getränk. Nach diesem Mahl waren wir pappsatt und genossen den wunderbaren Ausblick durch die Fenster des Restaurants. Da begann es zu schneien. Nur kurz und nur ein wenig, aber dennoch genug, um mich zu erfreuen. Fast den gesamten Winter über konnte in in Tokyo nicht eine einzelne Schneeflocke sehen, was schon ein wenig deprimierend war.

Hiernach begaben wir uns nun weiter Richtung Tempel und erreichten nach kurzer Zeit dessen Areal. Auf Schnee folgte nun Regen was dem imposanten Anblick des Hauptgebäudes jedoch keinen Abbruch tat. Völlig offen und frei begehbar balanciert dieses auf meterhohen Holzpfosten und regen Erstaunen über die Tragfähigkeit dieser Konstruktion. Tagtäglich dürften hier tausende von Menschen pausieren und ihre Blicke über die Stadt schweifen lassen. Angesichts der Wetterlage war da in diesem Moment allerdings nicht allzu viel auszumachen, der namens gebende Brunnen im Inneren des Komplexes lies sich jedoch ohne Weiteres ausmachen. Nachdem wir auf dem Bergpfad hinter dem Hauptgebäude vorbei an Baustellen wanderten, erreichten wir schließlich diesen. Hier fanden sich viele Menschen, um eigenhändig etwas von dem heiligen Wasser dem viele gute Eigenschaften nachgesagt werden aufzufangen und zu trinken.

Schließlich verließen wir den Tempel und machten uns auf in Richtung Stadtzentrum zum Shimogamo-Schrein. Dessen malerische Erscheinung wirkte trotz oder gerade wegen des Regens überwältigend. Der kleine flach läufige Bach, auf dem die Regentropfen hernieder fielen, rundete die harmonische Wirkung ab. Im starken Kontrast zum grau-braunen Gestein des Mauerwerks strahlten die roten Fassaden der Gebäude und Torii umso stärker. Ein wahrhaftig prachtvoller Anblick.

Nach einem weiteren Fußmarsch ins Stadtinnere kehrten wir in ein Café ein, welches eine der Spezialitäten Kyotos anbot: Maccha. Vergleichbar mit dem Tofu des Vortages ist auch dieses zu den (un)vorstellbarsten Formen verarbeitet werden. So gab es neben dem einfachen Grünen Tee auch Maccha-Cappuccino, leckere Maccha-Mochi und sogar Maccha-Eis. Für mich ein Himmel auf Erden. Nachdem wir uns so verköstigt wollten wir wieder aufbrechen, nur um nach dem Verlassen des Cafés zu bemerken, dass mein Regenschirm plötzlich kaputt war. Ordnungsgemäß in dem dafür vorgesehenen Ständer abgestellt muss ein anderer Gast daran mit wenig Feingefühl gezerrt haben, denn die Stange war aus der Halterung am Schirm herausgerissen worden. Äußerst ärgerlich, hat mir dieser doch stets gute Dienste geleistet. Glücklicherweise nahm der Regen allmählich ab.

Wir liefen weiter gen Westen und betraten schließlich inmitten eines traditionellen Viertels ein Lokal um uns etwas Schönes zum Abendessen auszusuchen. Die hier dominante Speise: Okonomiyaki. Artgerecht mit niedrigen Tischen und einer großen Bratplatte inmitten dessen nahm man hier gemütlich Platz auf dem Boden, ließ sich den Teig auf die heiße Platte geben und konnte nach wenigen Minuten schon zugreifen. Nebenan amüsierte sich eine größere Gruppe mit Sake und anderen Leckereien. Nach dem Essen gönnten wir uns noch eine Entspannungspause und machten uns schließlich auf den Heimweg.

Tag 4: Schweigen ist Silber

Das Frühstück an diesem Tag nahmen wir zuallererst im Caffe Veloce zu uns. Nach einer Busfahrt und einem kleinen Fußweg erreichten wir hiernach unser nächstes Reiseziel im Osten Kyotos: den Ginkaku-ji-Tempel. Meine Freundin ist hier bereits einmal als kleines Kind gewesen und riet mir daher, mir auch diesen einmal anzuschauen. Zuallererst fiel hier der akkurat in geschwungenen und geraden Linien angehäufte Sandgarten und der darin gelegene Kōgetsudai auf. Und wie praktisch überall fand sich auf dem Tempelgelände auch ein kleiner Shinto-Schrein. Solch eine Konstellation findet man in Japan auffällig oft vor.

Bei der Wanderung durch die üppige Vegetation des Gartens fiel uns recht schnell die anwährenden Bauarbeiten am Pavillon auf. Gerade dieser soll jedoch ein Höhepunkt auf dem Tempelgelände sein, was damit ein wenig bedauerlich war. Die allgegenwärtige Ruhe wurde nur von ein paar Jungs unterbrochen, welche wild durch die Gegend rannten und schließlich von einem Angestellten zurecht gewiesen wurden. Schweigen ist bekanntlich Silber. Oder so ähnlich.

Als letzten Ort an diesem Tage besuchten wir den To-ji-Tempel im Zentrum der Stadt. Die alles überragende Pagode wurde meiner Freundin zufolge nur mittels Holz errichtet und ist damit schon das zweite Bauwerk auf unserer Reise, welches die Grenzen dieses Baustoffs ausreizt. Die nicht unweit davon gelegene Studienhalle auf dem Gelände beeindruckte mit einem enormen Detailreichtum an der Fassade. Und auch hier herrschte eine unbeschreibliche Ruhe, welche auch auf die Tiere abfärbte. So konnte man sich ohne Probleme einem Kranich bis auf wenige Schritte nähern und Koi-Karpfen schwammen in Erwartung einer Fütterung an die Oberfläche des umliegenden Grabens.

Damit neigte sich unser Aufenthalt in Kyoto aber auch allmählich dem Ende zu und wir begaben uns mit Sack und Pack wieder zur JR-Hauptstation. Noch ein letztes leckeres Essen sollte uns den Abschied ein wenig versüßen. Direkt in der Station fanden wir ein Restaurant vor, und bestellten unser Essen nebst dem obligatorischen Soba-Cha. Für mich sollte es Udon mit Tempura sein. Absolut köstlich.

Am Bahnsteig angekommen fuhr nach einiger Zeit auch schon wieder der Shinkansen ein, der uns zurück nach Tokyo bringen sollte. Noch einige letzte Blicke zurück auf eine traditionsreiche Stadt mit unzähligen schönen Orten, welche wieder zum Besuch einlädt. Und somit ließen wir Kyoto begleitet von einem güldenen Sonnenuntergang hinter uns nur um uns zu schwören, dass wir in Zukunft einmal wieder zurückkehren würden. Diese Stadt ist einfach ein Erlebnis für sich, welche sich jeder selbst anschauen und sie erleben sollte, wenn er die Gelegenheit dazu hat. Wir haben sie genutzt und für mich ist Kyoto bis heute einer der schönsten Orte, die ich je in meinem Leben gesehen habe.

Um einen ausführlichen Eindruck davon zu vermitteln gibt es hier noch sämtliche Aufnahmen:

Aufstieg auf den Takao-san

Da es zu Silvester bereits sehr spät und wir sowohl erschöpft als auch völlig durchgefroren waren, konnten wir nicht die Gelegenheit nutzen, den ersten Sonnenaufgang des neuen Jahres auf dem Takao-san zu begrüßen. Dies wollten wir nun endlich nachholen, weshalb wir uns zu ebendiesem Berg aufmachten.

Direkt bei unserer Ankunft wehte uns eine frische Bergluft entgegen, welche eine willkommene Abwechslung zum Dunst der Großstadt darstellte.

Ob es am Kanji des Berges lag (尾山) oder einfach den generell zuhauf überhöhten Preisen: 900¥ für Hin- und Zurückfahrt bzw. 477¥ für eine Einzelfahrt erschien uns dann doch ein wenig überzogen, lies teuer (い). Also entschlossen wir uns, den Berg auf traditionelle Art und Weise zu erklimmen: zu Fuß.

Dies sollte sich bereits nach kurzer Zeit schon als mittelgroßes Abenteuer herausstellen, da die von uns gewählte Route sprichwörtlich über Stock und Stein führte. Die alteingesessene Waldvegetation schlug überall ihre mächtigen Wurzeln, was teilweise interessante Formationen zutage brachte. Über raue Felsen zu wandern mutet da nicht minder herausfordernd an.

Die wenigen Wege zwischen den Hindernissen gaben oft auch keinen Grund zur Entspannung, da sie von Erdrutschen und dem feuchten Klima bereits deutlich gezeichnet waren.

Und während ich zu einer von uns undefinierbaren Sektion auf der Karte scherzhaft anmerkte, dass man da wohl von Stein zu Stein hüpfen müsse, wünschte ich mir an Ort und Stelle, dass ich mich irrte. Denn umgeben von zwei kleinen Bächen mussten wir genau das tun. Das angenehm sanfte Rauschen des Wassers war jedoch eine angemessene Entschädigung für die Mühen.

Nach diesem Hindernis folgte jedoch plötzlich ein von Menschenhand befestigter Weg. Hohn oder Lohn? Das vermochte keiner von uns zu sagen. Am Ende dieses kurzen Laufes konnten wir bereits in der Ferne den unebenen Teppich ausmachen, welcher die Stadt Tokyo darstellte.

Wir drehten uns um und sahen uns einer neuen Herausforderung gegenüber gestellt: Stufen. Viele davon. Sehr viele. Und in nicht gerade angenehmer Schritthöhe. Diese letzte Sektion forderte die meiste Kraft von uns, obgleich sie eigentlich Menschen den Aufstieg erleichtern sollte.

Doch was wir nach diesem letzten Kraftakt auf dem Gipfel zu sehen bekommen sollten, war jegliche Mühe wert. Ein wahrhaftig malerisches Bild bot sich uns dar. Hochgezogene Gebirgsrücken mit scharfen Konturen verliefen nach unten im Nichts; ein Bild wie man es nur von Gemälden kennt.  Im Hintergrund thronte der Fuji-san in all seiner Mächtigkeit. Umrahmt wurde dieses Bild schließlich noch von Pflaumenbäumen, welche von der gerade im Sinken inbegriffenen Sonne in goldgelbes Licht getaucht wurden.

Wir genossen diese Atmosphäre ausgiebig, mussten uns jedoch schon bald auf den Heimweg machen, da wir nicht wussten, wann die letzte Seilbahn ins Tal zurück fahren sollte.

Auf dem Weg dorthin mussten wir uns an einer Weggabelung zwischen dem Weg für Frauen und den für Männer entscheiden. Wir entschieden uns für ersteres und ein Blick zurück nach der Wiederzusammenführung bestätigte unsere Entscheidungen: wieder Treppen.

An der Bergstation der Seilbahn angekommen standen wir ungläubig verschlossenen Toren gegenüber. Die letzte Fahrt war natürlich schon vorüber gewesen. Somit blieb uns keine andere Wahl, als den Heimweg wiederum zu Fuß anzutreten, jedoch dieses Mal über eine andere Route.

Diese war deutlich besser zu laufen, da offenbar wirklich für Mensch und Auto gebaut, jedoch war auch diese nicht ohne Manko: eine Beleuchtung war fast überall vorhanden, nur eingeschaltet war sie nicht. Unter diesen Bedingungen gestaltete sich der Abstieg nicht weniger anstrengend als der Aufstieg.

Nichtsdestotrotz bewältigten wir auch diese Hürde und fanden schließlich wohlbehalten den Heimweg.

Alle Bilder dazu finden sich hier:

Tradition in Asakusa

Bereits vor fast einer Woche statteten wir dem Stadtteil Asakusa einen Besuch ab. Dieser ist unter anderem für seinen Traditionsreichtum bekannt. Nur hier kann man Shinto-Schreine direkt neben buddistischen Tempeln finden.

Dieses und mehr gibt es nun hier zu sehen:

Roppongi Hills

Ein sehr interessantes Reiseziel in Tokyo sind die Roppongi Hills. Ursprünglich war der Tokyo-Tower das Ziel der Reise, doch ein Fußmarsch von den Hills zum Tower ist recht lang, weshalb wir uns den Besuch des Tokyo-Towers für einen anderen Tag aufgehoben haben.

Nach einer Fahrt mit der äußerst tief gelegenen Toei-Ōedo U-Bahn-Linie gingen wir zielstrebig in Richtung Curry-Restaurant. Meine Freundin hatte dort bereits einmal gegessen und das Restaurant in guter Erinnerung behalten. Eine Erinnerung, die nicht täuschen sollte, denn das Essen dort war wirklich ausgesprochen lecker bei einem akzeptablen Preis.

Vollends gesättigt begaben wir uns dann wieder nach draußen und damit in Richtung des TV-Asahi-Studios. Dem kleinen japanischen Garten neben dem Studio konnten wir angesichts des äußerst starken und kalten Windes nur kurz einen Blick widmen. Im Inneren gab es Informationen und Merchandising rund um das Programm des Fernsehsenders zu sehen, darunter z. B. Crayon Shin-Chan und Tokumei Kakarichō Tadano Hitoshi.

Hiernach und einem kurzen Rundgang rund um den Mori-Tower begaben wir uns in den Einkaufsbereich am Fuße dessen. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt beim besten Willen nicht spaziergängerfreundlich. Viele teure Geschäfte mit allen möglichen Dingen die der Mensch braucht oder nicht konnten wir hier vorfinden. Allerdings waren hier auch einige Dinge dabei, die man sich schon gerne leisten würde, wie ansprechende Möbel oder andersartige Innenausstattung.

Nachdem wir uns umgeschaut hatten, begaben wir uns über das Museum-Corn in das Innere des Mori-Towers, von wo aus uns ein Aufzug in die Höhe beförderte. Sehr freundlich: trotz eines ausländischen Studentenausweises konnte ich eine Eintrittskarte zum Studentenpreis bekommen. Oben angekommen erwartete uns eine wahrhaft großartige Aussicht. Nahezu zu 360° konnten wir die Stadt Tokyo von oben betrachten. Wie bereits seinerzeit im Government Twin Tower in Shinjuku konnte man nun die Enge und unglaubliche Menge an Häusern und Straßen sehen. Und im Westen in weiter Ferne thront Fuji-san und wacht über die Stadt. Bedauerlich nur, dass dass Sky-Deck auf dem Dach des Gebäudes zu diesem Zeitpunkt aufgrund zu starkem Wind geschlossen war.

Je dunkler es wurde, umso schöner wurde dieser Anblick. Zuerst aufgrund des rötlichen Schimers des Abendhimmels über dem Fuji-san, später durch das schier endlose Lichtermeer der Stadtlichter. Immer wieder ein sehenswertes Bild.

Alle Bilder gibt es wie immer hier:

Shin-Minami-Guchi in Shinjuku

Am Freitagabend sollte ich mich mit meiner Freundin am neuen Südausgang der JR-Station in Shinjuku treffen und die Wartezeit habe ich unter anderem damit verbracht, die einzelnen Bilder für dieses neue Panoramabild zu schießen. Der Panorama-Modus meiner unlängst neu erstandenen Kamera ist hier wirklich äußerst rentabel.

Odaiba (Hafenviertel)

Zum Sonntag war Odaiba, das Hafenviertel von Tokyo das Reiseziel. Die Bilder dazu gibt es hier zu sehen:

おはよう日本!

Im Rahmen meines Informatik-Studiums stand für das fünfte Semester ein Praktikum an, wobei natürlich die Suche nach einem Praktikumsplatz jedem selbst überlassen war.

Die Suche nach einem Praktikumsplatz

Da meine Freundin nun Ende August nach Japan zurückfliegen musste und ich sowieso schon immer den Wunsch hatte, einmal nach Japan zu fliegen, war für mich der einzuschlagende Weg offensichtlich. Mein Praktikum sollte in Japan, konkret in Tokyo, stattfinden. Damit begann die umfangreiche Suche nach Praktikumsplätzen in Japan und recht schnell zeigte sich, dass diese relativ rar gesät sind, da das Praktikumssystem dort und hier nicht das gleiche ist. Während man hier relativ lange Praktika zwischen einem Monat und einem Jahr durchführt, sind dort Praktika mit einer Dauer von wenigen Wochen Gang und Gebe. Dem entsprechend schwierig ist es, Praktika mit einer Dauer von sechs Monaten zu finden.

Auch viele Anfragen an mehr oder weniger bekannte Firmen im IT-Sektor waren eher weniger von Erfolg gekrönt. Entweder erfolgte gar keine Antwort oder eine Absage, da in der jeweiligen Firma keine Praktikanten angenommen werden.

Auch konsultierte ich viele Portale für internationale Praktika, so unter anderem auch KOPRA. Dort wurde ich dann auch fündig und fand einige sehr ansprechende Angebote. Lebensläufe wurden zusammengestellt, individuelle Motivationsschreiben verfasst und alles zusammen an die Firmen geschickt.

Es verging einige Zeit bevor ich die erste interessierte Antwort bekam. Der Name der Firma: D&M Pearl Company Ltd. Diese Firma hat sich auf den Handel und insbesondere den Import und Export von Perlen und verwandtem Schmuck spezialisiert. Während mich der eigentliche Firmenzweck anfangs eher weniger interessierte klang die Aufgabenbeschreibung des Praktikumsplatzes umso interessanter. Die Wartung und Erweiterung der Firmenwebsite stand ebenso auf dem Plan wie genereller IT-Support in der Firma.

Kurze Zeit später fand ein Interview statt, indem Details über meine aktuellen Kenntnisse und meine Motivation abgefragt wurden. Offenbar enttäuschte ich hier nicht, denn ich kam in die finale Auslese und erhielt letztendlich auch die Zusage für diesen Praktikumsplatz.

Dieser Augenblick der Freude währte jedoch nicht sonderlich lange, da gleich daraufhin die Vorbereitungen für die Reise getroffen werden mussten. Das Flugzeugticket wurde fest gebucht, eine Auslandskrankenversicherung nebst Unfallversicherung und Haftpflichtversicherung abgeschlossen und finanzielle Vorbereitungen für die Folgemonate getroffen.

Über den Wolken

Ende September war es dann nun soweit. Die Koffer waren gepackt, ich hatte mich vorbereitet und von allen verabschiedet. Ich fuhr zum Hauptbahnhof und von dort aus zum Dresdner Flughafen. Dort wie auch auf allen anderen Flughäfen hatte ich eine gewisse Wartezeit eingeplant und nachdem diese verstrichen war, begab ich mich in das Flugzeug, eine Boeing 737. Auch wenn ich noch nie zuvor in meinem Leben geflogen war, verspürte mehr interessierte Aufregung denn Nervosität. Den enormen Geschwindigkeitsschub bei der Beschleunigung auf der Startbahn werde ich nie wieder vergessen.

Der Flug nach Frankfurt verging sprichwörtlich wie im Fluge, da ich von der Aussicht hoch über den Wolken überwältigt war. Angekommen in Frankfurt konnte ich einen riesigen, bis dato noch nie gesehenen Flughafenkomplex bestaunen. Was jedoch von außen imposant wirkte, entwickelte sich im Inneren zur Qual. Unzählige Flugsteige und ein nicht enden wollender Strom an Menschen sowie unglaublich lange Wegstrecken in Kombination mit einer viel zu schweren Tasche trieben mich fast zur Verzweiflung. Dass ich erst noch mein Geld in Yen wechseln musste und dazu bis zum Eingangsbereich des Flughafens und danach natürlich zurück laufen musste trug auch nicht gerade zu meiner Entlastung bei. Doch nichts von alledem konnte mich davon abhalten, letztendlich meinen Flugsteig zu erreichen, von wo aus ich nach einiger Wartezeit in meine Maschine, eine Boeing 747, wechselte.

Diese sollte dann auch mein Aufenthaltsort für die kommenden 11 Stunden sein. Während des Fluges wurden uns sowohl Abendessen und Frühstück als auch Getränke und Snacks auf Wunsch serviert. Zum Zeitvertreib wurden einige Filme in unzähligen Sprachen vorgeführt, unter anderem Narnia (nicht geschaut), Letherheads (unglaublich langweilig, aber ich war nicht wirklich müde) und 10.000 BC (recht interessant). Glücklicherweise konnte ich mich während meines Fluges mit meinem (japanischen) Sitzpartner unterhalten. Fast ausschließlich auf Englisch jedoch. Da wir dem Tag- und Nachtwechsel entgegen flogen, war die Nacht nur wenige Stunden lang. Am Ende dieser konnte ich einen Sonnenaufgang sehen, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Die Wolken unter der Sonne zu sehen ist schon ein seltener Anblick.

おはよう日本!

Auch diese Zeit verging und ich landete in den frühen Morgenstunden bei eher mäßigem Wetter auf dem Narita-Flughafen nahe Tokyo. Während die Zollkontrolle in Dresden und Frankfurt recht flott vonstatten ging, zog sich diese hier schon etwas mehr hin, da die Kontrollen deutlich strikter waren. Die zwei Karten, die ich während des Fluges mit meinen persönlichen Daten sowie der geplanten Aufenthaltsdauer und -ort ausfüllen musste, wurden hier nun entgegen genommen. Unglücklicherweise hatte ich die Adresse meiner Freundin vergessen aufzuschreiben und zu dieser Zeit noch keine Möglichkeit, sie zu kontaktieren. Der Zollkontrolleur war jedoch gütig und ließ mich auch so passieren.

Damit verließ ich den Zollbereich und begab mich zur Eingangshalle, wo auch schon meine Freundin auf mich wartete. Wir fielen uns in die Arme und waren erst einmal die beiden glücklichsten Menschen auf Erden. Wir waren zwar nur einen Monat voneinander getrennt, jedoch war auch dies schon viel zu lang. Als Begrüßungsgeschenk überreichte sie mir ein Melonpan, was ich bisher nur aus Animes wie Shakugan no Shana kannte. Und ebenso wie Shana, der Hauptcharakter dieser Serie, war ich sofort hin und weg von dieser kleinen Leckerei. Das Melonpan avancierte damit sofort zu einem der leckersten Dinge, die Japan meiner Meinung nach zu bieten hat.

Jedenfalls fuhren wir dann mit einem Zug der JR-East bis zur Station Higashi-Nakano und liefen den restlichen Weg zum Haus meiner Freundin. Hier machte sich erneut meine sichtlich zu schwere Tasche bemerkbar. Abgesehen davon konnte ich hier schon die ersten Eindrücke der Stadt Tokyo sammeln. In der Ferne waren die riesigen Bürogebäude Shinjukus zu sehen, welche ich einige Zeit später dann auch einmal aus nächster Nähe sehen sollte. Das Bild in Nakano dagegen ist eher von Wohnhäusern und Supermärkten (genannt Conbini) geprägt. Alle Häuser wirken recht massiv und etwas gedrungen was aber angesichts des relativ hohen Erdbebenaufkommens in dieser Stadt nicht verwunderlich ist.

ただいま・お帰りなさい

Diese beiden Phrasen hört man hier in Japan jeden Tag. Sie bedeuten in etwa so viel wie „Ich bin zuhause.“ und „Willkommen zurück.“ Und herzlich willkommen hieß man mich auch bei meiner Ankunft. Im Laufe meines Aufenthaltes hier habe ich einige Dinge über die japanische Kultur in Hinsicht auf das Essen, das Leben zuhause, das Miteinander zwischen den Menschen, den allgemeinen Lebensstil und der Gesellschaft gelernt. Auch meine sprachlichen Kenntnisse haben sich verbessert; so bin ich mittlerweile in der Lage fast alle Hiragana- und Katakana-Zeichen sowie einige weitere Kanji zu lesen. Ich kann das jeweils zugrunde liegende System nachvollziehen, doch mangelt es mir noch an Vokabular. Insbesondere in Hinblick auf die verbale Kommunikation gibt es noch viel verbessern.

Reis ist hier in Japan was in den westlichen Zivilisationen das Brot. Es gibt Reis zum Frühstück und zum Abendessen, aber stets in einer anderen Variation, wodurch keine Monotonie aufkommt. So wird der Reis bspw. immer mit anderen Beilagen wie verschiedenen Fisch- und Fleischarten sowie Gemüse garniert. Dazu gibt es des Öfteren eine Suppe, wobei die Varianten mit Miso am schmackhaftesten sind. Daneben sind Suppen mit Sesam und Seegras meine Favoriten.

Auch Nudeln gibt es hin und wieder, jedoch üblicherweise nicht in Form von Spaghetti oder dergleichen. Vielmehr in Form von Udon, Ramen und Ähnlichem. Letztere schmecken nach einer professionellen Zubereitung natürlich am Besten, doch auch unter den Instant-Varianten finden sich hier und da einige Leckerbissen.

Nicht das der Glaube aufkommt, dass hier schlichtweg alles anders ist: Brot gibt es auch. Wenn auch etwas wuchtiger, als bei uns im Westen. Eine Scheibe Toast hier in Japan entspricht etwa zwei Scheiben zuhause. Ansonsten finden sich beim örtlichen Bäcker sehr viele Leckereien neben dem bereits erwähnten Melonpan.

Eine weitere sehr beliebte Mahlzeit ist Curry, was ebenso in unzähligen Varianten anzutreffen ist. Dieses wird auch gerne zuhause zubereitet, wobei meine Freundin und ich dies auch schon gemacht haben. Zuletzt ein köstliches Spinat-Curry.

In Bezug auf das Zuhause gibt es auch einige interessante Dinge zu nennen. Das fängt bereits beim Betreten des Hauses an: es gilt eine strikte Trennung zwischen dem Inneren und Äußeren des Hauses. So ist es grundsätzlich nicht gerne gesehen, wenn man seine Schuhe im Haus anbehält. Auch Toiletten zählen aus historischen Gründen zum Äußeren. Deshalb gibt es hier ein Extra-Paar Hausschuhe nur für die Nutzung der Toiletten. Letztere selbst sind auch ein bisschen anders als bei uns. An der grundsätzlichen Konstruktion ist nichts verändert, jedoch wurden einige mehr oder weniger nützliche Extras hinzugefügt. So verfügen viele Toiletten über eine Sitzheizung, welche beim Öffnen des Deckels automatisch aktiv wird. Die Toiletten verfügen über eine Selbstreinigungsfunktion und zwei verschiedene Spülungsstärken. Dazu gibt es oft auch eine Düse zur Intimreinigung, wobei nicht jeder davon begeistert ist. Alle Funktionen der Toilette sind über ein Bedienelement an der Wand einstellbar, es steckt also eine gehörige Menge Technik darin.

Viele japanische Wohnhäuser werden eher in Leichtbauweise gebaut und offenbar gibt es kein Fernwärmesystem wie in Deutschland, womit man oft auf Klimaanlagen angewiesen ist. Alternativ und sehr angenehm sind Fußbodenheizungen, welche es auch im portablen Format gibt. So liegt hier im Haus im Wohnzimmer unter dem Esstisch als auch unter dem Teppich im Wohnzimmer eine solche Heizmatte und man neigt gerade bei letzterer sehr oft dazu, ein kleines oder größeres Nickerchen darauf zu halten.

Die weltbekannte japanische Freundlichkeit in Geschäften und Restaurants ist allgegenwärtig. Als Kunde wird man hier um ein Vielfaches besser behandelt als in Deutschland. So kaufte ich dereinst hier zum ersten Mal Cup-Ramen und bemerkte erst auf dem Weg, dass mir der Kassierer Stäbchen in die Einkaufstüte gelegt hatte. In Japan ist dies schlichtweg Standard-Service; in Deutschland hätte man später schauen müssen, wie man denn die Nudeln isst.

Das Leben in der Stadt ist teilweise ziemlich hektisch und chaotisch, insbesondere in stark belebten Stadtteilen wie Shinjuku und Shibuya. Aufgrund des sehr hohen Verkehrsaufkommens ist die Luft ortsweise ziemlich schlecht, weshalb Menschen mit Atemschutz keine Seltenheit sind. Nichtsdestotrotz machen auch viele ihre Erledigungen mit dem Fahrrad oder zu Fuß.

Letztere Fortbewegungsform ist offenbar die bevorzugte, denn die Gehwege und oft auch die Straßen sind überfüllt mit Menschen. Man kann von Glück reden, wenn man morgens auf dem Weg zur Arbeit noch Platz in der Bahn findet, da man teilweise zusammengequetscht wird, damit die Türen noch schließen können. Und wenn die schier endlose Menge an Menschen noch nicht genügt, um Kopfschmerzen zu bereiten, gibt es obendrauf noch Leuchtreklamen und Werbeanzeigen so weit das Auge reicht.Aber all diesem Trubel kann man auch etwas Schönes abgewinnen, denn der Blick auf ein von Häusern, Autos und Reklame erleuchtetes Tokyo bei Nacht ist wunderschön.

Bei der Arbeit …

Die mir aufgetragenen Aufgaben hier in der Firma gestalten sich recht unterschiedlich. So habe ich unter Anderem die Firmenwebsite in Bezug auf Typo3 neu organisiert und vielerorts gesäubert, einen Debian-Server für das Intranet mit Diensten wie Web, MySQL, FTP, DHCP, DNS und Samba eingerichtet (und dem entsprechend recht viel über die einzelnen Dienste und ihre Konfiguration gelernt) sowie die Dokumentation dazu verfasst. Außerdem habe ich ein Werkzeug implementiert, welches Daten aus einer Access-Datenbank in eine MySQL-Datenbank überführt. Dazu gesellt sich die Behebung kleiner Probleme mit PCs im Firmennetzwerk. Auch wurde ich direkt am ersten Tag mit der Suche nach meinem Nachfolger beauftragt, welche mittlerweile auch schon abgeschlossen ist. Viele weitere interessante Aufgaben stehen noch an.

Das Praktikum selbst macht mir Spaß, da das Firmenklima recht entspannt ist. Die Kommunikation findet zumeist auf Englisch statt, da mein Japanisch für den Alltagsgebrauch noch nicht ganz ausreichend ist. Aber ich arbeite daran. Bedauerlich finde ich lediglich, dass ich durch meine Arbeit hier von morgens um 9:00 bis abends um 17:00 beschäftigt bin und zuzüglich jeweils etwa einer Stunde für den Weg zur und von der Arbeit nicht mehr allzu viel vom Tag übrig bleibt.

… und in der Freizeit

Dafür versuchen meine Freundin und ich dafür an den Wochenenden so gut wie möglich die freie Zeit zu nutzen. So haben wir beispielsweise gemeinsam mit ihrer Großmutter (trotz ihres Alters unglaublich aktiv) den Kaiserpalast im Zentrum der Stadt besucht, dem Broadway in Nakano oder Shinjuku einen Besuch abgestattet (und in letzterem meine Digitalkamera zu Bruch gehen lassen) oder sind einfach nur mit dem Fahrrad in der Umgebung herumgefahren. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, mir das berühmte Akihabara, die „Electric Town“, anzuschauen. Wenn man über die entsprechenden geldlichen Mittel verfügt, lässt sich das hier ganz schnell ändern.

Zuhause kann man auch ganz gut seine Zeit verbringen. So schaue ich neben Animes auch mehr oder weniger regelmäßig Doramas wie Nanase Futatabi, Salaryman Kintaro und GiraGira. Mein aus Deutschland mitgebrachter Ninteno DS erweist sich hier auch oft als sehr praktisch. Und während man vom neuen Nintendo DSi in Deutschland noch nur träumen kann, konnte ich hier bereits Hand anlegen und einen Eindruck bekommen. Schon angenehm, wenn man direkt an der Quelle sitzt.

Soviel erst einmal zum Überblick dessen, was bisher geschehen ist.