Rückkehr nach Japan – 13. Tag: Hikawa-Schrein, Roppongi & Tokyo-Tower

Am 13. Tag hatten wir für den späten Abend ein Treffen mit einer Freundin ausgemacht, was kurzfristig sogar noch etwas weiter verschoben werden musste. Also hatten wir eine Menge Zeit, den Vormittag und Nachmittag zu gestalten. Bevor wir also zum vereinbarten Treffpunkt in Roppongi aufbrechen sollten, beschlossen wir, uns ein wenig weiter in Nakano umzuschauen.

Hikawa-Schrein inmitten von Häusern
Torii mit Stehhilfen
Namenstafel des Schreins
Prachtvolles Wetter
Steinerner Lurch
Eindrucksvolle Holzkunst
Uralte Glocke
Laterne des Schreins
Schlafender Shiba Inu
Eine der wenigen Kirchen
TMS-Studio
Kunstvolle Strukturen

So wanderten wir eine Weile durch die Gegend und versuchten Orte zu besuchen, die ich bisher noch nicht gesehen hatte. Dazu gehört auch der Hikawa-Schrein. Gelegen im Osten Nakanos ist dieser Schrein wie viele andere umringt von regulären Wohnhäusern, fügt sich aber irgendwie in das Gefüge und bietet eine willkommene Abwechslung zur stressigen Großstadt. Aufgrund seines Bekanntheitsgrads und seiner Lage erhält dieser Schrein des öfteren Spenden und ist in einem entsprechend guten Zustand. Zudem findet er bei Schülern und Studenten hohen Anklang, da man hier für Erfolg beim Lernen beten kann.

Danach wanderten wir ein wenig weiter in Richtung der ehemaligen Mittelschule meiner Frau, kehrten dann aber um und machten uns auf den Weg zur Bahnstation. Von dort aus fuhren wir nach Roppongi, welches ich vom letzten Besuch noch gut in Erinnerung hatte. Auch hier war ich natürlich gespannt, wie es sich in der Zwischenzeit verändert hatte. Erstaunlicherweise recht wenig im Vergleich zu anderen Stadtteilen wie Nakano und Shibuya. Das einzig auffällig neue war die allgegenwärtige und überdimensionale Werbung für STONES BAR, was sich nach einem Blick auf die Website als neue Produktserie vom japanischen Getränke-Hersteller Suntory entpuppt.

Große Pipo-Familie
Mori-Tower
TOKYO TAIYAKI
Blick auf das Studio von TV Asahi
Endlich: Taiyaki
Gut besuchtes Soba-Restaurant
Atmosphärische Beleuchtung
Sandanwariki-Soba
Genuss von Soba in Stufen
Soba mit Tempura
Nahezu menschilch
Interessante Lichtspiele

Eine Weile schlenderten wir durch die Gänge und schauten uns den ein oder anderen Laden an. Nach einer Weile machten wir per Gourmet Guide einen Taiyaki-Laden namens TOKYO TAIYAKI ausfindig. Seit meiner Ankunft hatte ich mich auf Taiyaki gefreut, aber bisher hatten wir weder die Zeit noch die Gelegenheit, diese Leckerei zu kaufen. Nun hatten wir beides und so holten wir uns jeweils einen klassischen mit Bohnenpaste. Zusammen mit dem Teig ergibt sich eine süße kleine Spezialität für jung und alt.

Da dies aber natürlich noch nicht magenfüllend ist, suchten wir etwas später nach einem richtigen Abendessen. Wir schwankten zwischen Sushi und Soba und entschlossen uns, erst einmal einen Laden für letzteres anzuschauen. Dieser kasumi-cho soba masudaya gefiel uns auf Anhieb recht gut und so machten wir es uns hier bequem. Das Angebot an Soba-Varianten hier ist riesig und für Roppongi-Verhältnisse sogar erstaunlich preiswert. Die Auswahl fiel entsprechend schwer. Mir sagte aber das Sandanwariko am meisten zu, meine Frau nahm die Tempura-Variante. Auf das „San“ im Namen achtete ich gar nicht sonderlich, war daher umso mehr erstaunt, als das Essen serviert wurde: neben Soja-Soße und drei verschiedenen Schüsseln mit Beilagen (Ei mit Kartoffelpaste, Rettich und Ebi Furai) wurden die Soba-Nudeln in 3 übereinander gestapelten Boxen angerichtet. Reichlich imposant und sehr lecker.

Gesättigt und zufrieden wanderten wir noch etwas durch die Etagen und auch über die Terassen im Außenbereich. Dort versuchte ich auch einige gute Nachtaufnahmen von der bezaubernden Szenerie zu nehmen. Aber ohne Stativ und nur mit einem Allround-Objektiv ausgestattet gestaltete sich dies schwierig. Anschaffungen für die Zukunft. Nach kurzer Zeit erschien auch die Freundin, pünktlich wie vereinbart. Nach kurzer Vorstellung entschlossen wir uns, den in dieser Nacht besonders interessant beleuchteten Tokyo Tower aus nächster Nähe zu betrachten.

Tokyo Tower aus der Ferne
Aus nächster Naehe
Spitze des Turms

So machten wir uns auf den Weg in den Stadteil Minato, in dessen Shiba-Park der Turm zu finden ist. Wir fuhren per Bahn, von Roppongi aus ist es aber auch per Fuß erreichbar, da man nur der Hauptstraße folgen muss. So erreicht man eine Kreuzung, in deren Nähe auch die Ein- und Ausgänge für die Bahn zu finden sind. Von dort aus ist es nur noch ein kurzer Fußweg zum Park. Und der Anblick vor Ort sollte sich lohnen: der Tokyo Tower muss sich mit seiner massiven Konstruktion und schönen Beleuchtung nicht hinter dem Sky Tree verstecken, auch wenn letzterer mit blanker Größe vorerst nicht zu überbieten ist. Auffällig an diesem Abend war die interessante Kombination der typischen rot-orangenen Beleuchtung am Fuß und der Spitze mit einer blauen im mittleren Bereich. Typischerweise wird der gesamte Turm in einem orangenen Ton beleuchtet. Viele Schaulustige ließen sich dies nicht entgehen und nahmen reichlich Schnappschüsse. So auch eine Gruppe von Chinesen, die parallel zu uns auf dem Weg zum Turm versuchten, eine gute Perspektive zu finden.

Alsbald machten wir uns aber auf die Suche nach einem Café oder etwas ähnlichem, um noch ein wenig Zeit für Unterhaltungen in Ruhe zu finden. Nachdem wir auf der Hauptstraße gesucht und in einem Lawson-Geschäft nach dem Weg gefragt hatten, nahmen wir schließlich in einem Freshness-Burger-Geschäft Platz. Diese Fast-Food-Kette gibt es momentan nur in Japan und vereinzelt in anderen asiatischen Ländern und ist im Wachsen inbegriffen. Bei der Bestellung war ich erstaunt zu sehen, mit welcher Ruhe und Sorgfalt die Hamburger zusammengesetzt wurden. Zudem entsprachen die Ergebnisse zu 100% den Werbefotos, also völlig anders als bei McDonald’s und BurgerKing, deren Produkte üblicherweise plattgedrückt und lieblos zusammengeworfen serviert werden. Da meine Frau und ich noch von den Soba-Nudeln satt waren, beschränkten wir uns auf Getränke, unsere Begleitung genehmigte sich einen Burger. Vor unserer Rückreise muss ich unbedingt auch einmal davon probieren um auch den Geschmack mit den üblichen Fast-Food-Restaurants vergleichen zu können.

Mit der Freundin meiner Frau unterhielten wir uns über die verschiedensten Sachen aus Vergangenheit und Gegenwart. Beide gingen auf die selbe Schule und hatten daher früher viel miteinander unternommen, meine Frau konnte also nach Herzenslust in Erinnerungen schwelgen und nach andere Freundinnen und Klassenkameraden fragen. Die Freundin arbeitet im Grand Hyatt Hotel in den Roppongi Hills, früher als Bedienung im Restaurant, mittlerweile in der Personalabteilung. Die Arbeit ist umfangreich und besonders momentan gibt es viel zu tun. So muss zum einen eine Feier für das Personal geplant, aber gleichzeitig auch Zu- und Absagen für die Bewerbungen der Absolventen im nächsten Jahr vorbereitet werden. Pünktlich zum April beginnt wie in Japan üblich eine Welle von Absolventen mit der Arbeit, so wie auch Schuljahre und Semester beginnen. Es gibt also viel zu tun.

Da das Grand Hyatt ein westlicher Konzern ist, ist dieser sogar gerne bereit, für Überstunden zu bezahlen. Bei japanischen Unternehmen sieht die Situation allerdings ein wenig anders aus. Offizielle Überstunden sind nicht gerne gesehen, was sogar dazu führt, dass manche pünktlich die Arbeit verlassen und dabei ihre Stundenkarte stempeln. Danach kriechen sie aber teilweise unter Toren hindurch zurück und arbeiten noch weiter. Die Arbeitslast ist zum Teil erdrückend, was Überlastung, Verzweiflung und die häufigen Selbstmorde in Tokyo mehr als nachvollziehbar machen. Nicht minder erschreckend ist, dass dies aber mehr oder weniger stillschweigend hingenommen wird. Die Ökonomie ist so gewachsen und ist enorm auf den Komfort des Kunden ausgerichtet. Aus dessen Sicht ist es das Paradies, aus Sicht der Angestellten dagegen oft eine Tortur. Doch wie sollte so ein historisch verankertes Denken und Handeln geändert werden? Die Politiker scheuen radikale Veränderungen, da sie auf diesem Wege wertvolle Wähler verlieren könnten. Also bleibt alles wie es ist, sei es nun gut oder schlecht …

Zum Ladenschluss verließen wir das Restaurant und machten uns mittels Bahn auf den Rückweg. Da es für unsere Begleiterin keinen großen Unterschied machte, ob sie in Shinjuku oder Nakano aussteigt, begleitete sie uns zu unserem Zielbahnhof. Dort verabschiedeten wir uns und gingen per Fuß nach Hause. Und somit endete de 13. Tag.

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